Rezension zu Meine Seele so kalt von Clare Mackintosh

Es ist ein regnerischer Abend. Der kleine Jacob ist mit seiner Mutter auf dem Heimweg, als er sich plötzlich losreißt und auf die Straße stürmt. Das Auto erscheint wie aus dem Nichts und verschwindet ebenso schnell wieder in der Dunkelheit. Für Jacob kommt jede Hilfe zu spät. Während die Polizei noch ermittelt, flieht Jenna Gray vor den Ereignissen in die Einsamkeit eines walisischen Dorfes. Aber die Trauer um ihr Kind und die Erinnerungen lassen sie selbst dort nicht los. Schon bald ist sie sich sicher, dass nicht nur die Vergangenheit sie erbarmungslos verfolgt …

Es brauchte keinen Tag, um mich von diesem Buch zu überzeugen. Schon nach den ersten hundert Seiten konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen und musste es innerhalb von zwei Tagen verschlingen.

Zuerst zum Schreibstil, der nicht nur durch die Dinge brilliert, die gesagt werden, sondern noch vielmehr durch alles, was nicht gesagt wird. Die Erzählperspektiven wechseln zwischen dem Ich, dem Du und dem Er, wobei die Geschichte schnell an Fahrt aufnimmt und durch unglaublich viele überraschende Wendungen die Spannung bis zum Ende hält.

Das Opfer-Täter-Bild wird dabei total durcheinandergewirbelt. Immer wenn ich dachte, ich wüsste, was wirklich passiert ist, kam ein neuer Zusammenhang ans Licht, der alles verändert hat. Und von diesen Zusammenhängen gab es so viele, wie ich selten in einem Thriller gelesen habe. Weshalb ich auch nicht selten kurz davor war, einen Herzstillstand zu erleiden, weil ich so lange die Luft angehalten habe.

Der Autorin ist es aber nicht nur gelungen eine Spannung aufzubauen, wie ich sie selten erlebt habe, sondern gleichzeitig auch noch extreme Emotionen anzusprechen. Ich habe mit Jenna mitgelitten und mich für sie gefreut. Nicht ein einziges Mal habe ich ihre Handlungen in Frage gestellt. Obwohl längst nicht alle davon richtig waren, habe ich ihre Beweggründe so gut nachvollziehen können wie nur selten bei einem Charakter. Was wohl daran liegen mag, dass Jenna einer der menschlichsten Protagonisten war, die mir spontan einfallen würden.

Zuletzt noch das Ende, in dem nun endlich alle Spuren und Geschichten zusammengelaufen sind. Das Bild, was sich an diesem Punkt ergeben hat, hätte ich am Anfang des Buches nicht einmal ansatzweise erahnt. Der Autorin ist es perfekt gelungen, den Leser zu verwirren, an der Nase herumzuführen und am Ende doch eine so einfache wie unglaubliche Lösung zu präsentieren. Bravo!

Als Fazit kann ich also nur sagen, dass dieser Psychothriller seinem Genre alle Ehre macht. Fesselnd, bewegend und emotional schildert Clare Macintosh das Schicksal einer außergewöhnlichen Frau. Kein Buch, was einen so schnell wieder loslässt.

5/5

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