„I don’t want a never ending life, I just wanna be alive while I’m here.“ The Strumbellas, Spirits

Immer wieder diese Fragen: Was willst du mit deinem Leben mal anfangen? Wo siehst du dich in fünf, in zehn Jahren? Wie stellst du dir deine Zukunft vor?

Und immer dieselbe Antwort: Ich weiß es nicht. Es jagt mir eine Heidenangst ein, Dinge nicht zu wissen.

Immer heißt es, das Leben wäre ein Abenteuer, auf das man sich einlassen müsste. Und vielleicht stimmt das sogar. Vielleicht einfach machen, nicht planen, nicht zweifeln, nicht grübeln, wie es danach weitergeht. Schritt für Schritt, eins nach dem anderen und vielleicht lande ich am Ende irgendwo, wo ich glücklich bin.

Aber dann sind da immer diese Fragen, diese Zweifel. Du hast nicht ewig Zeit im Leben. Du musst dich entscheiden, musst einen Weg wählen. Du musst studieren, Geld verdienen, einen Job finden, am besten einen, der dich glücklich macht und dabei noch gut bezahlt ist. Du musst einen Mann kennenlernen, Kinder bekommen, bevor es vielleicht zu spät ist und du bereust, dass du es nie getan hast.

Und eigentlich willst du die ganze Welt sehen, willst alles tun, ewig jung sein. Du willst tanzen lernen, unter den Sternen einer Sommernacht. Du willst küssen, als ob dein ganzes Leben davon abhinge. Du willst nächtelang deine Lieblingsserien schauen und die Welt da draußen einfach Welt sein lassen. Du willst laufen, springen, fliegen, reisen. Du willst singen, alles herausschreien, was zu lang in dir versteckt gewesen ist.

Also warum nicht einfach damit anfangen? Jeden Tag etwas tun, das du schon immer tun wolltest? Eine Liste schreiben, voll verrückter Wunschträume und nach und nach jeden einzelnen Punkt darauf abhaken? Denn das Leben ist nicht unendlich und es heißt, man bereue die Dinge, die man am Ende nicht getan hat, am meisten. Warum also nicht leben, jeden einzelnen Tag aufs Neue?

Weil es verdammt schwer ist. Ja, es ist schwer, denn es gibt weiß Gott genug Tage, an denen man einfach nach Hause kommt und von der Welt und dem Leben nichts wissen möchte. Tage, an denen man vor lauter Angst vor dem nächsten großen Schritt das Bett am liebsten gar nicht verlassen und den ganzen Tag Barbie-Filme schauen würde. Tage, an denen sich die Aufregung nicht wie ein abenteuerliches Kribbeln, sondern wie eine einzige, große, magenverdrehende Übelkeit anfühlt.

Und genau das ist der Punkt. Denn letztendlich sind es die Entscheidungen, die wir in diesen Momenten treffen, von denen abhängt, wo wir in fünf, oder zehn Jahren stehen werden, was wir mit unserem Leben anfangen, wie wir am Ende sterben werden. Die Entscheidung, ob wir liegenbleiben und abwarten, dass es einfacher wird, dass jemand kommt und uns aus dem Bett scheucht oder uns sagt, dass es genau die richtige Wahl war, liegenzubleiben. Oder die Entscheidung, aufzustehen, die ständig wachsende Übelkeit zu ignorieren und das zu tun, was uns glücklich machen könnte.

Es ist im Grunde genommen wie mit Kindern, die das Laufen lernen. Sie stehen einfach auf und versuchen, den ersten Schritt zu machen. Und dann noch einen, auch wenn sie dabei hinfallen könnten, wenn sie hinfallen werden. Irgendwann werden sie drei Schritte gemacht haben, vier, fünf und dann werden sie gar nicht mehr fallen. Dann werden sie laufen und springen und tanzen und fliegen und all die Dinge tun, die sie wollen.

Und manchmal denke ich, dass es das ist, was ich mit meinem Leben anfangen möchte: Laufen lernen.

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