Rezension zu Der Rosie-Effekt von Graeme Simsion

Ich hob mein Glas und sprach die ersten Worte aus, die mir in den Sinn kamen.

„Auf die perfekteste Frau der Welt!“ h hatte Glück, dass mein Vater nicht anwesend war. „Perfekt“ ist ein Absolutismus, der nicht gesteigert werden kann, genau wie „einzigartig“ oder „schwanger“. Meine Liebe zu Rosie war so mächtig, dass sie mein Gehirn zu grammatischen Fehlern anstiftete.

Don Tillman, der unwahrscheinlichste romantische Held, den es je gab, hat seine Rosie gefunden. Aber mit dem Happy-End wird es erst richtig kompliziert. Don entdeckt die Liebe nach der Hochzeit und lernt dabei, dass Vernunft in der Ehe nicht immer an erster Stelle steht…

Der Rosie-Effekt ist der Nachfolgeband zu Das Rosie-Projekt, das ich allen, die es noch nicht kennen, an dieser Stelle wärmstens empfehlen will. Genau wie der Vorgängerband hat Der Rosie-Effekt seinen ganz eigenen Charme – wissenschaftlich-schräg, emotional und mit ganz viel Humor. Graeme Simsion hat einfach das Talent, eine sonst so gewöhnliche Geschichte durch besondere Charaktere und seinen wundervollen Schreibstil zum Leben zu erwecken.

Wie schon bei Das Rosie-Projekt, spielt Don Tillman auch in diesem Teil wieder die Hauptrolle und erzählt uns die Geschichte seines ersten Ehejahres aus seiner ganz eigenen, wissenschaftlich-schrägen und ungewollt humorvollen Sichtweise, die beim Mitlesen einfach nur Spaß macht und ganz schnell ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Der sozial ungelenke, alles planen wollende Professor aus Melbourne erinnert dabei an eine etwas realistischere (nicht ganz so abgedrehte…) Version von Sheldon Cooper aus der TV-Serie The Big Bang Theory. Auch Rosie hatte ich bereits nach dem ersten Band ins Herz geschlossen und war wirklich happy, sie in diesem Buch endlich wieder dabei zu haben. Die Mischung aus Stärke, Humor und dieser liebenswerten Prise Verkorkstheit macht sie einfach zur perfekten Frau für Don und die Beziehung zwischen den beiden ist so erfrischend, dass ich auch nach dem Ende dieses Bandes unbedingt mehr davon wollte. Die Nebencharaktere sind alle ebenfalls wahnsinnig gut ausgearbeitet – jeder hat seine eigenen Probleme und vor allem, eine eigene Art, damit umzugehen – weshalb es auch unglaublich interessant ist, ihre Geschichten an der Seite von Don zu verfolgen.

Da man die Story aus Dons Sichtweise erzählt bekommt, ist der Schreibstil dementsprechend ungewöhnlich, denn Don scheint die alltäglichsten Dinge einfach anders zu sehen, als der Rest der Menschheit. Man lernt, die Welt aus völlig neuen Perspektiven kennen, wenn man sich auf den Roman einlässt.

Auch an Spannung mangelt es nicht. Ob es sich nun um den Blauflossenthunfisch-Zwischenfall, ein Forschungsprojekt lesbischer Mütter oder einen vermutlichen terroristischen Anschlag auf einen Linienflug handelt, mit Rosie und Don wird es nie langweilig. Dabei gelingt es Simsion hervorragend, unglaublich Witziges mit Romantik und Gedanken über Leben und Liebe zu verbinden.

Zusammenfassend kann ich also nur sagen, dass dieses Buch jede einzelne Seite wert ist. Es hat einen so außergewöhnlichen Charme und Humor, dass man um ein Grinsen einfach nicht herumkommt und die Charaktere sind so eigenwillig wie bei nur wenigen Büchern, die ich bisher gelesen habe. Ein erfrischender Roman, den es auch mehrmals zu lesen lohnt.

5/5

Advertisements