Als Kleinkind suchte er sich oft irgendeine Ecke aus, zog sich ein Kissen auf den Boden und legte den Kopf darauf. Dann zog er die Knie an die Brust und rollte sich zu einer Kugel zusammen. So blieb er liegen, bis Maisie anfing ihn zu suchen. Irgendwann verrückte sie dann ein Möbelstück, fand ihn und zerrte ihn auf die Füße. „Ich habe überall nach dir gesucht!“ „Du weißt doch, wo ich war, Ma.“ „Und wo warst du?“ „Irgendwo im Glück.“, sagte er dann und trollte sich, um zu spielen oder riesengroße orangefarbene Hunde zu malen.

Maisie Bean ist eine Frau, die sich nicht unterkriegen lässt. Gleich ihr erstes Date mündete in einer überstürzten Ehe. Es dauerte Jahre, bis sich Maisie aus der darauf folgenden Hölle befreien konnte, doch sie nahm etwas Wundervolles daraus mit – ihre Kinder: den sensiblen, humorvollen Jeremy und die starrsinnige, schlaue Valerie. Mit Hilfe der beiden schafft Maisie es sogar, ihre demente Mutter zu Hause zu pflegen. Alle packen mit an. Als Maisie denkt, ihr Leben läuft endlich rund, geschieht das Unfassbare…

Als ich dieses Buch gesehen habe, war mir gleich klar, dass ich es lesen musste. Schon das erste Buch, das ich von Anna McPartlin zwischen die Finger bekommen habe – Keiner kennt mich so wie du – habe ich geliebt, weil es so berührend war, also führte auch an Irgendwo im Glück kein Weg vorbei. Wie bei allen Anna-McPartlin-Büchern ist dieses Cover wieder wunderschön und auch der Inhalt hat mich nicht enttäuscht.

In diesem Werk greift Anna McPartlin wie schon in Keiner kennt mich so wie du die Problematik der häuslichen Gewalt wieder auf. Erzählt wird vorwiegend aus der Perspektive von Maisie Bean, einer alleinerziehenden Mutter, die sich von ihrem gewalttätigen Ehemann getrennt hat und nun mit ihren beiden Kindern und ihrer dementen Mutter Bridie zusammenlebt. Auch die drei kommen in dem Roman zu Wort, besonders die Kapitel aus Bridies Sicht fand ich dabei interessant. Außerdem gibt es kurze Kapitel aus der Sicht von Jeremys Freunden und anderen Bekannten der Familie. Schön an diesem Erzählstil ist vor allem, die Gefühle und Gedanken aller Figuren nachvollziehen zu können, ohne dass sich die Handlung bis ins Unendliche wiederholt, weil dieselbe Situation aus hundert verschiedenen Perspektiven geschildert wird. Es wird immer nur die Perspektive gewählt, die für die jeweilige Situation am wichtigsten ist.

Auch die Charaktere sind sehr liebevoll ausgearbeitet. Jeder einzelne hat so seine kleinen Macken und doch hatte ich sie alle innerhalb kürzester Zeit liebgewonnen. Besonders die demente Bridie wird sehr authentisch dargestellt und man spürt mit jeder Seite die Liebe, die in dieser Familie herrscht. Umso mehr leidet man natürlich auch mit Maisie und den anderen, als alles zu kippen droht.

An Spannung mangelt es hier nur selten. Der Einstieg ist sehr schön, doch schnell kommt mit Jeremys Verschwinden Spannung auf, besonders weil man als Leser nicht mehr weiß, als die Familie selbst und genauso dringend wie Maisie auf Hinweise fiebert. Doch die erste Zeit nach dem Verschwinden zieht sich dann etwas, es gibt keine Hinweise und man steht als Leser genau wie die Familie mit leeren Händen da. Erst nach und nach kommt wieder Spannung auf, aber man muss noch bis ganz zum Ende warten, um endlich Antworten zu erhalten.

Das Warten lohnt sich. Das Ende ist sicherlich der berührendste Teil des ganzen Buches und wird dem einen oder anderen garantiert die Tränen in die Augen treiben. Die wunderschöne Message im Epilog macht den Roman dann schließlich rund, sodass ich, als ich es aus der Hand gelegt habe, erst einmal durchatmen musste.

Als Fazit kann ich also nur sagen, dass Anna McPartlin mich auch mit diesem Roman wieder begeistern konnte. Eine Geschichte, die einzigartig und gleichzeitig so alltäglich scheint und die eindringlichen Worte der Autorin, die an einen jeden von uns appelliert, seine Mitmenschen so zu lieben wie sie sind. Trotz kleiner Längen ein berührendes Buch mit einer tiefen Botschaft, das es zu lesen lohnt.

4/5

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