Rezension zu Nebelspiel von Sheila Bugler

London: Ein zehnjähriges Mädchen wird entführt. Es gibt keine Zeugen, keine heiße Spur. Die Polizei verfolgt einen Schatten, und die Zeit läuft stetig ab für die kleine Jodie Hudson. Allen ist der Fall Molly York noch lebhaft in Erinnerung, die vor drei Jahren auf gleiche Weise verschwand und nur noch tot gefunden werden konnte. Für Detective Inspector Ellen Kelly, Londons toughe Starermittlerin und Spezialistin für Entführungsfälle, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, der sie an ihre eigenen Grenzen führen wird…

Was mich an diesem Buch wirklich gereizt hat, waren die Meinungen dazu auf dem Einband. Natürlich weiß ich, dass man diesen gedruckten Kaufempfehlungen nicht immer trauen kann, aber der versprochene psychologisch ausgereifte Thriller mit Gänsehautmoment hat mir große Hoffnungen gemacht, vielleicht etwas ähnlich Rasantes wie Meine Seele so kalt von Clare Mackintosh in der Hand zu halten. Fakt ist, es war nicht das, was ich erwartet hatte.

Gänsehautmomente gab es – zumindest bei mir – keine und spätestens auf Seite 68 war mir klar, was im Groben geschehen sein musste und wer der Mörder war. Bis zum Ende hatte ich darauf gehofft, meine Ahnung würde sich vielleicht doch als falsch herausstellen, doch ich war in keinem Moment gezwungen, meine Vermutungen in Zweifel zu ziehen. Stattdessen wurde ich über die folgenden 300 Seiten nur darin bestätigt. Außerdem gibt es eine Menge Szenen – wahrscheinlich gedacht, um Spannung aufzubauen – die ich völlig unnötig fand, da sie nur von der eigentlichen Handlung wegführen, aber nichts Neues einbringen.

Doch trotz dieser nicht ganz so fesselnden Handlung hat dieser Thriller etwas, das mich vielleicht sogar bewegen könnte, ein zweites Buch der Autorin zu lesen: Die Charaktere. Besonders die Protagonistin Ellen Kelly fand ich wahnsinnig sympathisch, obwohl ich nicht einmal genau sagen könnte, warum. Sie hat einfach diese natürliche Art, eine harte Schale und einen weichen Kern, einerseits taffe Ermittlerin, andererseits liebende Mutter. Auch die Nebencharaktere haben mir ganz gut gefallen. Einige Kapitel sind ja auch aus der Sicht des Entführungsopfers geschrieben – für ihre zehn Jahre ein ziemlich mutiges Mädchen – und ich muss sagen, das waren für mich die besten und interessantesten Stellen des ganzen Buches.

Auch der Schreibstil ist schön und vor allem flüssig. Die vielen Perspektivwechsel zwischen Ermittlern, Opfern und Angehörigen lassen den Leser die verschiedenen Charaktere und deren teilweise verschlungenen Lebenswege gut nachvollziehen, wodurch zumindest ab und zu auch die Emotionen angesprochen werden. Trotzdem, so richtig mitreißen konnte mich das Ganze nicht.

Abschließend kann ich also nur sagen, dass mich dieser Thriller etwas enttäuscht hat. Er konnte definitiv nicht mit der Spannung und Verwirrung auftrumpfen, die ich mir erhofft hatte, sondern war recht vorhersehbar. Allerdings konnten die Charaktere rund um Protagonistin Ellen Kelly bei mir punkten und die Kapitel aus der Sicht des Opfers waren eine interessante Abwechslung zu den klassischen Krimis. Ein ganz guter Thriller zum Abschalten, aber kein Must-Have.

3/5

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