Rezension zu Jane Austens Geheimnis von Charlie Lovett

Sie ist eine der berühmtesten Autorinnen Englands. Ihre Bücher sind weltbekannt, millionenfach verkauft und gelesen. Doch hinter ihrem populärsten Werk verbirgt sich ein Geheimnis, das ihr Ansehen für immer zerstören könnte.

„Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht als eine Frau.“

Na, wem kommt dieser Satz bekannt vor? Richtig, es sind die ersten Worte aus Jane Austens Stolz und Vorurteil, mit dem die englische Schriftstellerin zu Weltruhm gelangte. Knapp 200 Jahre nach der Veröffentlichung – im London der Gegenwart – begibt sich Sophie Collingwood, Angestellte in einem Antiquariat, leidenschaftliche Leserin und glühender Austen-Fan, auf die Suche nach einem völlig unscheinbaren Werk. Für „Ein kleines Buch allegorischer Geschichten“ gibt es gleich zwei Interessenten, die beide höchst neugierig auf das schmale Bändchen sind. Sophie ahnt nicht, dass dieses Büchlein ein Geheimnis birgt, das bis in die Zeit Jane Austens zurückreicht und Sophie selbst in einen gefährlichen Wettlauf gegen die Zeit verstricken wird.

An Sophies Seite begibt man sich auf Jane Austens Spuren und erforscht gemeinsam mit ihr in die schillernd-poetische Welt des späten 16. Jahrhunderts. Der Erzählstil, den Charlie Lovett dabei nutzt, hat mir sehr gut gefallen. Die Spannung hat sich sehr schnell aufgebaut und trotzdem behielt der Roman seine lockere Verspieltheit und Romantik.

Auch die Charaktere sind gut gewählt – zwar nicht besonders originell, aber auch nicht langweilig oder einseitig. Mit der sympathischen Sophie wurde ich sehr schnell warm und auch ihre Schwester Victoria ist mir während des Lesens sehr ans Herz gewachsen. Die beiden sprühen förmlich vor Charme und Witz, wodurch sich der Roman herrlich locker und leicht lesen lässt. Bei Winston hingegen wusste man bis zum Schluss nicht, woran man war und hat genau wie Sophie über seine wahren Absichten nur Vermutungen anstellen können. Ganz im Gegenteil zu Eric, der am Anfang zwar verwegen und ohne jede Manieren auftritt, sich aber im Laufe des Buches zu einem echten Gentleman entwickelt. Insgesamt sind die Figuren alle sehr stimmig und ihre Handlungen nachvollziehbar, sodass man sich beim Lesen richtig fallen und mitreißen lassen kann.

Auch die romantische, geheimnisvolle Atmosphäre, die sich durch den gesamten Roman zieht, macht das Lesen angenehm. Auf jeder einzelnen Seite spürt man die Liebe zu Büchern, mit der der Autor diesen Roman verfasste. Jane Austen ist dabei allgegenwärtig. Der Roman zeichnet ein detailliertes Portrait dieser jungen Schriftstellerin, sodass man selbst als Austen-Neuling (wie ich) schnell Lust bekommt, einen ihrer Romane zu lesen.

Als Fazit bleibt also nur zu sagen, dass der Roman zwar weder eine völlig neue Idee noch außergewöhnliche Charaktere vorzuweisen hat, aber Charlie Lovett mit Jane Austens Geheimnis trotzdem für leichte, romantische Stunden voll guter Unterhaltung sorgt. Der Roman ist perfekt für warme Sommertage im Schatten von Apfelbäumen oder Lesestunden am Fluss und macht definitiv Lust auf mehr von Jane Austen.

3/5

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