Rezension zu Windfire von Lynn Raven

Las Vegas – inmitten der glitzernden Stadt der Glücksspieler schlägt Jesse sich gerade so durch. Immer knapp bei Kasse, versetzt sie ein kostbares Erbstück. Doch kaum hat der Schmuck den Besitzer gewechselt, poltert ein unberechenbarer Fremder in Jesses Leben: Shane. Und er verlangt genau dieses Amulett von ihr. Die Begegnung der beiden entfacht ungeahnte Leidenschaft: Feuer trifft auf Wind, Halb-Djinn auf Hexe. Wie echte Gegensätze ziehen sich Jesse und Shane an, stoßen sich ab, und Magie bricht sich Bahn. Schnell wird klar, dass sie gemeinsame Feinde haben. Halb auf der Flucht, halb auf der Suche reisen sie zusammen in die Wüstenstadt Petra, um dort Antworten zu finden – Antworten, die weiter führen als je gedacht…

Gleich zu Anfang möchte ich erwähnen, dass Windfire nicht mein erster Roman von Lynn Raven ist. Schon vor einigen Jahren habe ich mit Seelenkuss einen sehr positiven Eindruck von der Autorin gewonnen und bin demzufolge auch mit gewissen Erwartungen an diesen Roman gegangen.

Die Idee klang jedenfalls vielversprechend. Hexen und Djinn, eine Liebesgeschichte im Flair von 1001 Nacht und glitzernde Schauplätze wie Las Vegas und die jordanische Stadt Petra. Das kann doch nur toll werden, dachte ich. Tja, weit gefehlt.

Las Vegas als erster Schauplatz entfaltet sich trotz tollem Schreibstil irgendwie nur mittelmäßig. Die ständigen Einschübe aus der Sicht der – wie man leider erst sehr spät erfahren hat – Erdmagier und Windhexen machen die Geschichte langatmiger, als sie eigentlich ist. Immer hört man nur, dass diese geheimnisvollen Leute Jesse umbringen wollen, ohne dass in diesen Kapiteln tatsächlich etwas passiert.

Dennoch nimmt die Geschichte rasch an Fahrt auf, es dauert keine fünfzig Seiten bis Jesse Shane kennenlernt und sie sich beide tiefer in die Geheimnisse um den Anhänger und die Welt der Djinn und Hexen verstricken. Leider hat mir an dieser Stelle jedoch die Magie gefehlt. Die Erklärungen und Dialoge, aus denen man alles, was man über die Welt der Hexen und Djinn wissen sollte, entnehmen kann, kommen leider erst sehr spät im Roman. Dann allerdings werden alle Fakten in gefühlt zwei Kapiteln heruntergerattert, sodass man kaum ein Gefühl für die magische Welt bekommt und alles eher wirkt wie eine Mischung aus Action beziehungsweise Geheimagentenflair (ständig diese Verfolgungsjagden) und ein paar dazwischengeworfenen Geschichten über die magische Welt und halbgaren Ritualen.

Als dann schließlich mein ganzes Warten belohnt wurde und es per Flugzeug auf in den Nahen Osten ging, hatte ich tatsächlich das Gefühl, es könnte besser werden. Das ganze Flair von 1001 Nacht ist endlich zu spüren und an Jesses und Shanes Seite entdeckt man Orte, von denen man nicht zu träumen wagt.

Dann jedoch, gerade als auf den letzten Seiten wirklich Spannung aufkommt, scheint das Lektorat einfach mit seiner Arbeit aufgehört zu haben. Immer wieder finden sich kleinere Fehler, was an sich ja nicht schlimm ist, doch wenn dann mal schnell ein ganzer Satzteil (oder vielleicht sogar mehr?) fehlt, ist auch meine Geduld am Ende. Gerade bei Printbüchern sind solche Patzer einfach unmöglich.

Aber apropos Ende. Das Ende dieses Romans ist zwar ein romantisches Finale wie aus dem Bilderbuch, jedoch kommt es in gefühlt zwei Sekunden. Bis jetzt weiß ich nicht genau, was während des Showdowns eigentlich abgelaufen ist und noch während ich mich gefragt habe, was da gerade abgegangen ist, war ich plötzlich am Ende des Romans. Alles geht mit einem Mal so schnell, dass man nur noch den Kopf schütteln und zurückblättern kann.

Abschließend lässt sich also sagen, dass Windfire ein unterhaltsamer und kurzweiliger Roman ist, der auf einer tollen Idee gründet. Die Charaktere haben Potential, doch leider kommt die Magie für meinen Geschmack hier etwas zu kurz und gegen Ende findet sich nicht nur ein Rechtschreibfehlerchen zu viel.

3/5

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