Rezension zu Frostseelen von Natalie Speer

Der Krieg beginnt. Die ehrgeizige Thea meldet sich freiwillig, um an der Grenze im Norden gegen die vordringenden Barbaren zu kämpfen. Als Brennerin – jemand, der Feuermagie nutzen kann – sind ihre Dienste besonders wertvoll, und sie wird ohne Verzug an die Front geschickt. Vor ihrer Ankunft in den eisigen Grenzgebirgen hat sie Gerüchte über die Nordländer und ihre Eismagie gehört. Doch nichts hat sie auf die schreckliche Realität des Krieges vorbereitet. Und auf eine Gefahr, die viel schlimmer ist als jeder Krieg …

Auf diesen Roman habe ich mich sehr gefreut, denn bereits der Roman Mondherz von derselben Autorin hat mir wirklich gut gefallen, weshalb ich nun auch ganz wild darauf war, Thea und ihre Welt kennenzulernen.

Der Roman beginnt an der Akademie, wo man sofort mit Theas Fähigkeiten und ihren Freunden sowie Feinden vertraut wird. Die Art, wie dabei die Magie beschrieben wird, hat mir wirklich gut gefallen, denn sie ist sehr bildlich und somit gut vorstellbar. Auch der Schreibstil insgesamt konnte mich überzeugen und passt zum Inhalt des Buches.

Was nun die Charaktere angeht, bin ich nicht ganz überzeugt. Thea als Hauptcharakter, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wurde, war zuerst einmal sympathisch. Dass sie nicht zu den Besten, sondern eher zu den Schlechtesten gehört und auch kein Mädchen ist, bei dem die Kerle Schlange stehen, hat mir richtig gut gefallen. Ihre offene Art gegenüber der neuen Kultur, die sie im Laufe des Romans kennenlernt, war auch verständlich, doch in manchen Momenten hätte ich mir tatsächlich gewünscht, dass das Vertrauen, dass sie in diese Menschen setzt, auch einmal enttäuscht wird, denn so wirkt besonders Anders oft wie ein Heiliger, der nie Fehler begeht. Auch die anderen Nebencharaktere konnten mich nicht so ganz begeistern. Bei ihnen gibt es kaum eine Entwicklung, kaum eine Veränderung, obwohl sie so viele Tote gesehen haben, obwohl sie teilweise selbst gemordet haben. Von Eleni dachte ich anfangs, sie könnte mein Lieblingscharakter werden, doch die Art, wie sie mit Thea umgeht, hat für mich wenig von Freundschaft, weshalb mich ihr Schicksal auch kaum überrascht hat. Genauso wenig konnte ich nachvollziehen, was Thea an Ian findet, denn obwohl es durchaus Szenen gibt, in denen Gefühle deutlich werden, ist Ian nicht der Typ Mann, für den eine Frau die Dinge tun würde, die Thea für ihn tut.

Dennoch kommt – besonders durch die Suche der Charaktere nach der Ursache der Seuche – Spannung auf. Man will wissen, weshalb es diese Krankheit gibt, die Menschen in zombieartige Wesen verwandelt und lernt an Theas Seite während der Reise die Norlande und ihre Bewohner besser kennen. Die Gestaltung der zwei gegensätzlichen, aber dennoch irgendwie verbundenen Welten hat mir dabei wirklich gefallen. Einzig die Enthüllungen einiger Identitäten, die wohl überraschend kommen sollten, haben durch vorher platzierte Hinweise leider an Spannung verloren.

Insgesamt muss ich sagen, dass ich mir etwas mehr von diesem Roman erwartet hätte. Ohne Frage findet man in Frostseelen eine fesselnde Geschichte über zwei Welten, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Der Schreibstil lässt den Leser sofort in den Roman eintauchen und durch die eine oder andere überraschende Wendung ist Spannung garantiert. Leider konnten mich die Charaktere nicht überzeugen, da sie sich nicht weiterentwickelt haben und auch die Beziehungen untereinander teilweise für mich nicht nachvollziehbar schienen. Ein guter Roman für zwischendurch, aber kein Must-Read.

3/5

Advertisements