Rezension zu Leon & Claire – Er trat aus den Schatten von Ulrike Schweikert

Sie nennen sich selbst die Kämpfer der Schatten und haben der Stadt den Rücken gekehrt. Vom hellen Licht sind sie in das Reich der Dunkelheit hinabgestiegen, in die Katakomben tief unter Paris. Unter ihnen lebt Léon, der magische Fähigkeiten besitzt. Er allein weiß um die Macht des Meisters der Finsternis, dessen Ziel es ist, Paris zu vernichten. Als Léon eines Tages der schönen Claire das Leben rettet, ist es um sie beide geschehen. Léon nimmt Claire mit in seine düstere Welt; Licht und Schatten verbinden sich. Doch das Glück der beiden ist nicht nur dem attraktiven Adrien ein Dorn im Auge, der schon lange in Claire verliebt ist, sondern vor allem dem Meister der Finsternis selbst, der seine ganz eigenen Pläne mit Léon hat. Schon bald werden die beiden Liebenden zum Spielball dunkler Mächte.

Zuerst einmal muss ich an dieser Stelle wohl erwähnen, dass ich ein großer Fan von Ulrike Schweikerts Romanen bin. Die „Erben der Nacht“-Reihe habe ich geliebt und darüber hinaus auch weitere Bücher wie beispielsweise Das Vermächtnis von Granada oder Das Reich der Finsternis entdeckt, die mir allesamt gefallen haben. Dementsprechend hoch waren nun meine Erwartungen an diesen Roman.

Ja, zugegeben, die Inhaltsangabe hätte mich eigentlich schon vermuten lassen müssen, dass es eher ein klassischer Teenie-Roman ist, als eine ausgeklügelte Fantasy-Romanze, aber weil ich von Ulrike Schweikert bisher nur Gutes gelesen hatte, habe ich auch diesem Roman eine Chance gegeben.

Am besten fange ich einfach mal mit dem Schreibstil an: Der ist, wie nicht anders zu erwarten, wieder super, sehr flüssig, sodass man sich schnell in die Geschichte findet und mit den Protagonisten mitfiebern kann.

Was nun aber die Protagonisten betrifft: Es tut mir wirklich leid, das hier zu sagen, aber so viele Klischees auf einem Haufen habe ich lange nicht mehr gesehen. Claire – hübsch, neu in Paris und auf der Schule, muss mit der dortigen Oberzicke, deren Namen ich leider schon wieder vergessen habe, um Adrien, den Mr. Sexy-und-noch-dazu-reich der Klasse konkurrieren. Natürlich hat der nur Augen für Claire und lässt Nathalie (jetzt fällt mir der Name doch noch ein) links liegen. Da sie alle coole Teenager sind, feiern sie natürlich ständig Parties an abgefahrenen Orten, wie zum Beispiel in den Katakomben. Dort begegnet Claire schließlich auch Leon, dem Mr. Geheimnisvoll-und-düster. Natürlich braucht sie fast zweihundert Seiten, um sich zu entscheiden, wem denn nun ihr Herz gehört. In der Zwischenzeit stricken vermeintlich böse Mächte vermeintlich dunkle Pläne, wobei ich mir nicht sicher bin, ob der mysteriöse Schatten am Ende überhaupt irgendetwas Böses gemacht hat. Die Überraschung, die die Enthüllung seiner Gegenspielerin wohl eigentlich hätte sein sollen, ist dann leider auch verpufft, da vorher einfach viel zu viele Hinweise gestreut wurden. Kurzum, es tut mir wirklich leid, aber im Nachhinein gesehen war es ja kaum auszuhalten vor lauter Klischees.

Warum habe ich dann trotzdem bis zum Ende gelesen? Tja, zum einen, weil ich leider immer noch etwas für klischeehafte Romanzen und Dreiecksbeziehungen übrighabe. Zum anderen, weil ich endlich wissen wollte, was aus den megafiesen Plänen des Schattens wird. Aber entweder habe ich deren Umsetzung in die Tat verschlafen oder das wird erst in Teil zwei passieren und ob ich den lese, daran zweifle ich noch.

Trotzdem, und das muss ich jetzt auch noch einmal hervorheben, war nicht alles an dem Roman schlecht. Die Idee des Kampfes zwischen Licht und Schatten mit Magie und geheimnisvollen Mächten hat mir sehr zugesagt. Auch die Schauplätze – die düsteren Katakomben von Paris, waren toll gewählt und beschrieben. Wenn nun in Teil zwei einfach nur die Klischees stark reduziert würden und dafür mehr Raum für die Atmosphäre von Paris und einige ausgeklügelte Pläne des Schattens blieben, würde ich mir das Lesen dieses Teils doch noch einmal überlegen.

Kurz gesagt: Dieser Roman war leider eine Enttäuschung. Trotz guter Idee und toller Schauplätze kann ich an dieser Stelle bedauernswerterweise nicht das übliche Lob für die Autorin anbringen. Zu viele Klischees, Überraschungen, die keine mehr waren und düstere Pläne, die wahrscheinlich nie in die Tat umgesetzt wurden – Frau Schweikert, das können Sie besser.

2/5

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