Rezension zu Alle bösen Geister von Ruth Rendell

Preston Still ist Banker, Millionär – und ein Mörder. Er hat den Liebhaber seiner Frau getötet, indem er ihn eine Treppe hinabstieß. Nun soll das AuPair der Familie ihm helfen, die Leiche zu entsorgen. Doch das Mädchen ist Mitglied der Gesellschaft der heiligen Zita – eines selbstgegründeten Vereins von Dienstboten, die für die Anwohner des noblen Londoner Hexam Place arbeiten und deren Absichten nicht unbedingt wohlwollend sind. Als dann auch noch Dex, der psychisch gestörte ehemalige Gärtner des Viertels, aus der Psychiatrie entlassen wird, geraten die Geschehnisse am Hexam Place vollends außer Kontrolle…

Diesen Roman habe ich zwar recht zufällig zwischen die Finger bekommen, war allerdings ziemlich froh, zu lesen, dass es sich um das Werk einer bereits verstorbenen Autorin handelt. Denn somit ist es perfekt als Kandidat dieser Kategorie für die Lovelybooks-Lesechallenge. In dem Wissen, dass die Autorin mit Büchern wie diesem ihr halbes Leben lang ihren Lebensunterhalt verdient hat, hatte ich natürlich gewisse Erwartungen. Diese wurden allerdings schwer enttäuscht.

Aber von vorn: Die Geschichte, die auf dem Einband groß als Krimi angekündigt wird, hat eher etwas von einer in Papier gefassten, nie enden wollenden Seifenoper, die sich Seite um Seite zieht. Es braucht über hundert Seiten, bis der erste Mord geschieht und danach ist die Spannung auch schon wieder dahin. Zudem wird man von einer Flut Charaktere übergossen, die zwar alle ganz gut ausgearbeitet wurden, mir allerdings fast alle wie Waschlappen erschienen. Ob Wohlstandsprobleme, irgendwelche langweiligen Affären (die natürlich auch keiner der Mitwisser als Gegenstand einer Erpressung benutzt) oder irgendwelche schleimigen Reichen, die für ihre Mitmenschen eine einzige Plage sind – an nervtötendem Alltagsgeplänkel schadet es nicht und doch hat wirklich keiner den Mut, auch nur das Geringste an seiner Lage zu ändern. Es braucht also tatsächlich die ersten zweihundert Seiten, um einen Waschlappen vom anderen unterscheiden zu können. Warm geworden bin ich dann irgendwie trotzdem mit keinem.

Dabei bietet die Idee des psychisch kranken Gärtners mit der eigenartigen Kindheit doch ein tolles Motiv für einen klassisch-englischen-Schickimicki-Krimi. Die Gedankenwelt des Mannes und der Auftraggeber beziehungsweise die Auftraggeberin sind nur einige der Punkte, die einfach viel mehr vertieft werden müssten. Genauso die Konflikte und Beziehungen der Bewohner des Hexam Place untereinander. Man hätte doch so viele Konflikte schaffen können, so viele Freund-und Feindschaften und ebenso viele lautstarke Streitereien oder liebevolle Szenen. Stattdessen scheint irgendwie jeder für sich zu leben uns jeglicher Konflikt verläuft im Sand.

Das Ende ist dann wohl das nervtötendste am ganzen Buch – ein Cliffhanger. Ein absolutes No-Go bei Krimi-Einzelbänden, wie ich finde. Anstatt klar und deutlich die Vermutungen des Lesers zu bestätigen oder eine völlig neue, dafür aber umso genialere Erklärung zu liefert,  ist mit einem dritten Mord – oder auch nicht?  – einfach Schluss. Als hätte die Autorin selbst keine Lust mehr gehabt, weiterzuschreiben.

Kurzum, ich frage mich, wie Ruth Rendell mit Büchern wie diesen ihren Lebensunterhalt verdienen konnte, denn für mich hat dieses Buch leider wenig von Krimi, noch weniger an starken Charakteren und Spannung kann man gleich komplett vergessen. Wer auf Seifenopern und endlose Abhandlungen über die Problemchen anderer steht, dem könnte dieses Buch vielleicht gefallen, aber für Krimifans ist dieser Roman definitiv nichts.

1/5

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