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Welcher Melodie lauscht dein Herz?

Rezension zu Ein Lied für Valentine von Amélie Breton

„Dann beginne ich nochmal neu“, sagte sie mit plötzlich klopfendem Herz. „Wenn ich das erste Mal das Haus betrete, in dem das Klavier steht, dann…“ Yves stützte seinen Kopf auf einen Arm und sah sie lange an. Zuerst wusste Valentine nicht, ob er verärgert war oder vielleicht sogar gekränkt, da sie seinem unausgesprochenen Wunsch nach Vermeidung des Themas nicht nachgekommen war. Aber als er sprach, war seine Stimme ganz sanft. „… dann setze ich mich ans Klavier und spiele darauf. Nur für dich.“

Honfleur, 1942: Die Journalistin Valentine kommt in die Normandie. Dort begegnet sie Yves, der dem Widerstand gegen die deutschen Besatzer angehört. Ein riskanter Auftrag führt sie gemeinsam nach Paris. Inmitten der Gefahr finden sie eine kurze Zeit des unbeschwerten Glücks.
Als die Nazis auf Yves aufmerksam werden, muss er fliehen. Tage später wird sein gekentertes Boot am Strand gefunden.
Von Yves‘ Tod überzeugt, verlässt Valentine die Normandie.
Jahre später begegnen sie sich wieder – denn Yves hat überlebt. Ihre Gefühle sind so stark wie damals. Jetzt muss Yves eine schreckliche Entscheidung treffen …

Dieses kleine, feine Büchlein war ein absoluter Glücksgriff, muss ich sagen. Eine Nordfrankreich-Romanze für meinen Nordfrankreich-Urlaub, wenn man so will. Was gibt es schließlich Besseres, als leibhaftig in die Atmosphäre der Gegend einzutauchen, von der man gerade liest?

Das Eintauchen fiel mir bei diesem Roman tatsächlich auch sehr leicht. Der Schreibstil ist flüssig, sodass man an Valentines Seite sehr schnell die Luft des Abenteuers schnuppert, auf das sie sich begibt. Sehr schnell nimmt die Geschichte dann auch an Fahrt auf. Valentine lernt Yves kennen und es entsteht eine Liebesgeschichte, die schöner nicht sein könnte. Frei von Kitsch, dafür mit tiefgehenden Dialogen über Träume und Herzenswünsche, die zum Nachdenken anregen.

Die Protagonisten Valentine und Yves gewinnt man dabei sehr schnell lieb. Beide sind Kämpfernaturen und riskieren nicht selten ihr Leben für andere oder füreinander. Es ist unglaublich schön zu sehen, wie sich ihre Liebe entwickelt und genauso leidet man als Leser mit den beiden, als das Schicksal sie trennt. Was die Protagonistin der Gegenwart – Sophie – betrifft, bin ich (anders als sonst) diesmal auch nicht enttäuscht worden. Sie hadert mit dem Leben, das sie gerade führt und Valentines Geschichte gibt ihr den Mut, etwas daran zu ändern. Was mir besonders gut gefallen hat, ist, dass neben Valentines und Yves‘ Beziehung keine parallele Liebesgeschichte in der Gegenwart entsteht, wie es sonst so oft der Fall ist.

Auch der historische Hintergrund des dritten Reiches wurde sehr detailverliebt in die Geschichte eingewebt. Immer wieder gibt es kleinere oder größere Situationen, die den Ernst der Lage verdeutlichen und zum Nachdenken anregen. Dennoch ist die Geschichte nicht von Dramatik und Leid überschattet, sondern findet in Valentines und Yves‘ Liebe immer zu einer gewissen Leichtigkeit zurück.

Kurz gesagt – Dieser feinfühlige Roman verknüpft historische Grundlagen mit einer Liebesgeschichte, die auch ohne Kitsch verzaubert. Er wirft Fragen über das Leben auf und lädt den Leser gleichzeitig ein, sich hinwegzuträumen. Das perfekte Buch, um einfach mal abzuschalten und alles um sich herum zu vergessen.

5/5

 

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