Rezension zu Blutwald von Julie Heiland

„Wir dürfen uns nicht mehr sehen“, waren seine letzten Worte. Und auch wenn Robin weiß, dass sie nur so ihrer beider Leben schützen können, scheint mit jedem Tag ihre Sehnsucht nach Emilian zu wachsen. Doch als Birkaras, der Anführer der Taurer, sie zwingt ihren Stamm zu verlassen und einen unschuldigen Menschen zu töten, muss Robin eine Entscheidung treffen – eine Entscheidung auf Leben und Tod. Wird Emilian an ihrer Seite sein?

Nachdem ich Teil eins schon vor einer ganzen Weile gelesen habe, war ich mir unsicher, ob es sich lohnt, die Reihe fortzusetzen, ohne Teil eins zuvor ein zweites Mal zu lesen. Zudem hatte ich eigentlich keine allzu große Lust auf einen Jugendfantasy-Roman, weil ich in letzter Zeit damit eher mäßige Erfahrungen gemacht habe. Aber wie das immer so läuft, fand ich mich plötzlich auf einer zehnstündigen Autofahrt und hatte kein anderes Buch in der Tasche als dieses. Und da wären wir.

Der Einstieg fiel mir überraschenderweise sehr leicht. Ich wusste sofort wieder, worum es ging und was in Teil eins vorgefallen war. Auch konnte ich mich sofort in Robin hineinversetzen und war bereits nach den ersten Kapiteln so angefixt, dass ich nicht mehr aufhören konnte, zu lesen.

Die Charaktere haben mich vor allem durch ihre Vielseitigkeit erstaunt. Fast jeder von ihnen macht im Laufe des Romans eine Entwicklung durch und gewinnt dadurch an Stärke. Robin als Protagonistin ist dabei natürlich genau die Heldin, die man in einem Jugendroman auch erwarten würde – mutig, aber nicht furchtlos kämpft sie für das, woran sie glaubt, auch, wenn andere längst aufgeben würden. Manchmal ist sie mir dabei zwar etwas zu dramatisch, aber derartige Szenen gehören zu einem Roman dieses Genres einfach dazu, schätze ich. Von den Nebencharakteren konnte mich persönlich Melvin am meisten überzeugen. Die Veränderung, die er im Laufe des Romans durchmacht, ist wirklich interessant. Im Vergleich dazu hat mir Birkaras als Bösewicht leider überhaupt nicht gefallen. Als Charakter ist er meiner Meinung nach zu schwach und allein das Motiv „Weltherrschaft“ erinnert mich irgendwie eher an einen Comic-Schurken als an einen intelligenten und ernstzunehmenden Gegner für Robin.

Dennoch baut der Roman so schnell an Spannung auf, dass ich ihn innerhalb von fünf Stunden verschlungen habe. Robins ausweglose Lage lässt einen als Leser einfach permanent mitfiebern und selbst nach einer Lösung rätseln. Doch auch das Ende hält keinen perfekten Ausweg für Robin und Emilian bereit – es bleibt also weiterhin spannend.

Abschließend kann ich also nur sagen, dass mich Blutwald wirklich überrascht hat. Tolle Charaktere und atemberaubende Spannung konnten mich ein zweites Mal davon überzeugen, die Reihe doch noch zu beenden. Auch, wenn es einige kleinere Details gab, die mir nicht ganz so gut gefallen haben, ist Julie Heiland mit diesem Roman ein wirklich guter zweiter Teil gelungen, der Lust auf mehr macht.

4/5

Advertisements