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Der Junge im gestreiften Pyjama

Rezension zu The Boy in the striped Pyjamas von John Boyne

Bruno ist eigentlich ein ganz normaler Neunjähriger. Er lebt mit seiner Familie in Berlin, hat drei allerbeste Freunde, eine Schwester, mit der er am liebsten nichts zu tun hätte und jede Menge Flausen im Kopf. Eines Tages wird Brunos Vater an einen anderen Ort weit weg kommandiert – und die Familie samt Bruno muss ihm folgen.  Das neue Haus ist alt und schäbig und Bruno fühlt sich einsamer denn je. Doch dann entdeckt er vor seinem Fenster einen großen Zaun, hinter dem er Menschen in gestreiften Pyjamas erkennt…

Auf dieses Buch bin ich in der kleinen „Bibliothek“ unseres Ferienhauses gestoßen. Als großer John-Boyne-Fan war natürlich sofort klar, dass ich mir diese Chance nicht entgehen lasse und so habe ich bereits in den ersten paar Urlaubstagen begonnen, es zu lesen.

Zugegeben, es ist etwas völlig anderes als das, was ich bisher von John Boynes Romanen gewohnt war. Der Schreibstil ist sehr einfach, da aus der Sicht des neunjährigen Bruno berichtet wird. Was mich dabei am meisten erstaunt hat, ist, dass der Roman trotz der Holocaust-Thematik keineswegs einer dieser grausamen und in gewisser Weise ebenso vorwurfsvollen Erzählungen entspricht, wie es sie sonst so oft gibt. Viel mehr fühlt sich die Geschichte an wie eine Mischung aus Abenteuer-Roman und Science-Fiction, da Bruno selbst nicht richtig versteht, worum es geht. Man betrachtet die komplette Geschichte, die man so oft im Unterricht und in diversen Filmen oder Büchern durchgegangen ist, plötzlich aus einem ganz anderen Blickwinkel.

In die Geschichte selbst findet man sich recht schnell – nicht zuletzt dank der überschaubaren Anzahl an Charakteren. Bruno als Protagonist ist dabei wohl die ungewöhnlichste, aber sehr intelligente Wahl. Seine unschuldige Weltsicht und seine ständige Neugier und Abenteuerlust machen ihn wahnsinnig sympathisch. Auch fand ich es interessant zu sehen, wie sich seine Familie, vor allem seine Schwester, nach dem Umzug an die neue Situation gewöhnt und wie sich Brunos Verhältnis zu ihnen verändert.

An Spannung mangelt es dem Roman ebenfalls nicht. Trotz der relativ schlichten Erzählung und der Situation, über die man als Leser so viel mehr weiß als Bruno, bleiben bis zum Ende viele Fragen offen. Grausame Schicksale werden in kleinen Andeutungen versteckt, sodass nur der Leser (und selbst dieser nicht mit absoluter Sicherheit) weiß, was geschehen sein muss.

Das Ende hat mich dann doch ziemlich umgehauen. Eigentlich habe ich schon geahnt, dass etwas in dieser Art geschieht, doch John Boyne hat der Situation eine Leichtigkeit verliehen, die mir die Tränen in die Augen getrieben hat. Die Freundschaft der beiden Jungen ist einfach so herzzerreißend-schön, aber gleichzeitig so tragisch, dass man lachen und weinen könnte. Ein perfekt geschriebenes Ende, das den Leser auch Tage danach noch beschäftigt.

Schlussendlich kann ich also nur sagen, dass mich dieser Roman völlig umgehauen hat. Auf eine so leichte und unschuldige Art greift John Boyne hier das schwere Thema des Holocaust auf und verwebt es mit der Geschichte einer einzigartigen Freundschaft. Es ist ein Roman, der zu Tränen rührt und den Leser auch ohne haarsträubende Beschreibungen tief trifft. Ein absolutes Muss für jeden!

5/5

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Ein Kommentar zu „Der Junge im gestreiften Pyjama

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