Bücher

Frank Sinatra und Martinis am Nachmittag

Rezension zu Ich bin zu alt für diesen Scheiß von Julia Macdonnell

Mimi Malloy, patent und frisch im Ruhestand, lebt gerne in den Tag hinein. Weder von ihren sechs Töchtern noch von ihren Schwestern lässt sie sich ins Leben reden. Schon gar nicht, wenn es darum geht, Frank Sinatra zu hören und Martinis zu genießen. Wären da nur nicht diese Aussetzer, kleine Erinnerungslöcher. Für Mimi ist das normal, schließlich wird sie alt, und wer sich zuviel erinnert, verschläft das Heute. Ihre Familie aber findet, es ist höchste Zeit, ein paar der dunklen Flecken in der Familiengeschichte aufzufüllen. Und noch während Mimi und ihre Töchter nachforschen, was denn damals wirklich mit Mimis frühverstorbener Schwester geschah, entdeckt sie, nur wer sich an die Liebe erinnert, kann sein Herz ein zweites Mal verlieren …

Das erste, was ich zu diesem Roman wohl sagen muss, ist, dass ich ihn aufgrund des Titels ausgesucht habe. So etwas mache ich normalerweise sehr selten, aber dieser Titel… Was mir dann zuerst (und positiv) aufgefallen ist, als ich hineingelesen habe, war der Schreibstil. Der ist nämlich wirklich toll, sehr humorvoll, bisweilen ein wenig sarkastisch und definitiv unterhaltsam.

In Verbindung damit bin ich natürlich auch sehr schnell ein Fan der Protagonistin Mimi geworden, die mit ihren siebenundsechzig Jahren noch so einiges auf dem Kasten hat und sich zu recht dagegen wehrt, als „Ausschuss“ abgestempelt zu werden. Zwar ist sie noch lange nicht perfekt, doch dafür mit all ihren kleinen Fehlern und Macken umso sympathischer. Auch Duffy, der Hausmeister, war mir auf Anhieb sympathisch, mit all seinen kleinen Schwächen und dunklen Kapiteln in seiner Vergangenheit. Mimis Schwestern und Töchter hingegen erscheinen auf den ersten Blick eher unsympathisch. Das liegt aber daran, dass man sie nur aus Mimis Sicht kennenlernt, die sich im Laufe des Buches glücklicherweise noch ändert. Dennoch muss ich zugeben, dass mich Mimis ablehnende Einstellung gegenüber ihrem Umfeld anfänglich etwas genervt hat.

Die Story an sich ist zwar nicht unbedingt das, was ich als fesselnd bezeichnen würde, aber durch den humorvollen Schreibstil bleibt man als Leser auch nie komplett stecken. Einschübe aus der Vergangenheit geben dem Roman noch einmal einen melancholischen und traurigen Touch. Sie erzählen im Endeffekt eine sehr berührende und außergewöhnliche Geschichte, die mich persönlich umso mehr mit Mimi hat mitfühlen lassen. Gerade, weil es oft scheint, als wäre sie nie richtig glücklich gewesen, ist ihre aufkeimende Liebe zu Duffy natürlich umso schöner anzusehen. Diesbezüglich hätte es auch ruhig etwas ausführlicher sein dürfen.

Kurz gesagt – ein schöner Roman für zwischendurch, der mich ganz gut unterhalten hat. Vor allem der humorvolle Schreibstil und die sympathischen Protagonisten machen den Charme dieses eher gemächlichen Romans aus. Durch die einzelnen Rückblicke in die Vergangenheit bekommt er außerdem einen melancholischen und traurigen Touch. Trotzdem mangelt es an Spannung und die ablehnende Art der Protagonistin erschwert den Einstieg.

3/5

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