Rezension zu Außer sich von Rosamund Lupton

Als Grace auf der Intensivstation erwacht, ist sie außer sich – im wahrsten Sinne des Wortes. Verblüfft steht sie neben ihrem komatösen Körper. Sie kann sich frei bewegen, kann hören und sehen, kann sich aber weder mitteilen, noch wird sie von der Außenwelt wahrgenommen. Einzig mit Tochter Jenny, die im selben
Krankenhaus liegt, vermag sie Kontakt aufzunehmen. Entsetzt erfährt Grace von dem Verdacht gegen ihren achtjährigen Sohn Adam und versucht mit allen Mitteln, die Wahrheit zu erfahren. Welche Rolle spielt Adams Lieblingslehrer? Kann sie ihrer besten Freundin tatsächlich trauen?

Diesen Roman habe ich eigentlich nur als „Lückenfüller“ eingeschoben und nicht einmal geplant, ihn zu beenden. Doch wie es der Zufall so will, sind es immer genau diese Romane, für die man sich am wenigsten Zeit nimmt, die einen am Ende am meisten begeistern.

Zugegeben, bei diesem Roman hat es eine ganze Weile gedauert, bis der Funke übergesprungen war. Die Anlaufzeit, bis endlich Spannung aufkommt, ist relativ lang, sodass ich mich durch die erste Hälfte eher durchgebissen habe. Doch das macht die zweite Romanhälfte dann mehr als wett. Denn neben ordentlicher Spannung kommt hier nun auch eine Flut aus Emotionen auf den Leser zu.

Das eigentliche Herzstück des Romans sind jedoch meiner Meinung nach noch immer die Charaktere. So vielschichtig und menschlich wie jede der Figuren des Romans ist, so verschieden sind sie auch. Dennoch konnte ich mich in jeden von ihnen einfühlen, habe ihre Sorgen und Ängste wie meine eigenen gekannt und sie tiefer ins Herz geschlossen, als ich zu Anfang erwartet hätte. Hut ab dafür! Gerade die ungewöhnliche Perspektive der Mutter, die als Geist ihre Worte an ihren Ehemann richtet, wirft so viele Gefühle auf, wie es kaum ein anderer Erzählstil könnte.

Der Roman gipfelt dann in einem nahezu perfekten Ende. Rosamund Lupton hat hier meiner Meinung nach den schmalen Grat zwischen Happy-End und Realität gefunden und ein Ende geschrieben, das zumindest bei mir die Tränen hat fließen lassen.

Als Fazit kann ich also nur sagen: Mit Außer sich ist Rosamund Lupton ein zutiefst berührender und menschlicher Roman gelungen, der seine Leser fesseln und mitfühlen lassen wird. Auch, wenn die Geschichte etwas Anlaufzeit braucht, ist dieser Roman definitiv einen Blick wert und wird den einen oder anderen Leser sicherlich ebenfalls mit feuchten Augen und einem schweren Herzen zurücklassen.

4/5

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