Rezension zu Ein Koffer voller Träume von Kate Alcott

Die junge Tess träumt von einem Leben als Schneiderin, kommt jedoch aus ärmlichen Verhältnissen. Als die berühmte Designerin Lady Lucile Duff Gordon ihr anbietet, sie als Dienstmädchen zu beschäftigen, kann Tess ihr Glück kaum fassen. In Gesellschaft der Reichen und Schönen besteigt auch Tess die Titanic. Als die Katastrophe ihren Lauf nimmt, ist Tess eine der letzten, die ein Rettungsboot besteigt. Auch ihre Vorgesetze überlebt, doch kaum, dass sie amerikanischen Boden unter ihren Füßen haben, kommen Gerüchte auf. Hat Lady Duff Gordon ihr eigenes Leben auf die Kosten anderer gerettet?

Auch diesen Roman habe ich als The Dressmaker in der englischen Version gelesen. Eigentlich ist er mir nur zufällig in einem Secondhand-Buchshop in Dublin in die Hände gefallen, doch die Inhaltsangabe hat mich dann sehr neugierig gemacht und wer kann einem Buchschnäppchen schon widerstehen?

Ein fulminanter Anfang katapultiert einen dann förmlich in die Geschichte, kaum, dass man die erste Seite umgeblättert hat. Innerhalb der ersten fünfzig Seiten dreht sich Tess‘ Leben um einhundertachtzig Grad und der rasante Aufstieg von einer Welt der Tellerwäscher in die Gesellschaft der Reichen und Schönen lässt keinen Raum für Langweile. Die glamouröse Atmosphäre der Titanic erwacht durch den lebendigen Schreibstil der Autorin förmlich zum Leben, sodass ich mich immer wieder dabei ertappt habe, wie ich das Schiff mit Tess‘ erstaunten Blicken erkunde.

Leider ist dieser Abschnitt jedoch verhältnismäßig kurz gehalten. Sehr schnell findet die Spannung mit dem Untergang der Titanic ihr Ende. Was folgt, ist eine echte Flaute, durch die man sich erst einmal hindurchkämpfen muss. Doch das Warten lohnt sich, denn die darauffolgende Charakterentwicklung ist meiner Meinung nach eine der größten Stärken des Romans.

Man spürt mit jeder Seite, wie viel Herzblut in die Erschaffung der Charaktere geflossen ist. Jeder von ihnen ist authentisch – manche schließt man sofort ins Herz, anderen steht man eher ablehnend gegenüber und von einigen weiß man nur schwer, was man überhaupt von ihnen halten soll. Mir hat besonders Pinky gefallen, denn die Art und Weise, wie sie von einem meiner Hasscharaktere zu einer meiner Lieblingsfiguren geworden ist, hat mich doch sehr überrascht. Auch Jim und Lucile habe ich, was das betrifft, unterschätzt.

Das Ende rundet die Geschichte schließlich sehr schön und mit genau dem richtigen Grad an Kitsch ab und lässt Raum für die eigenen Vorstellungen.

Kurz gesagt – mit Ein Koffer voller Träume ist Kate Alcott ein wunderbarer historischer Roman gelungen, der den Leser den Charme der Titanic und das Drama ihres Untergangs hautnah miterleben lässt. Wundervoll authentische Charaktere und ein lebendiger Schreibstil helfen da auch über eine größere Spannungsflaute hinweg.

4/5

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