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Kennst du deinen Schatten?

Rezension zu Der dunkle Wächter von Carlos Ruìz Zafón

Für Simone Sauvelle ändert sich alles, als ihr Mann plötzlich stirbt und sie und ihre Kinder unmittelbar an der Grenze zur Armut stehen. Das Leben in Paris wird zu einer Herausforderung für sie und so ist sie mehr als froh, eine Stelle als Haushälterin in der Normandie annehmen zu dürfen. Cravenmoore, das herrschaftliche Anwesen des Spielzeugfabrikanten Lazarus Jann wird zum neuen Heim der kleinen Familie. Sowohl Irene als auch ihr jüngerer Bruder Dorian finden schnell Anschluss in dem verschlafenen Örtchen Baie Bleue und erkunden gemeinsam mit Lazarus‘ Dienstmädchen Hannah und deren Cousin Ismael die Umgebung. Doch eines Nachts geschieht ein grauenvoller Mord. Danach ist nichts mehr wie zuvor. Über Cravenmoore senken sich die dunklen Schatten einer namenlosen Gefahr.

Zafón versteht es blendend, innerhalb weniger Seiten eine düstere Atmosphäre aufzubauen, bei der einem vor Spannung fast der Atem stockt. Was eben noch ein herrlicher Sommertag gewesen ist, wird bei Nacht zu einer rasanten Jagd voller Geheimnisse und Überraschungen – natürlich gewürzt mit einer großen Prise finsterer Gruselatmosphäre. Dabei ist der Roman jedoch weder besonders brutal noch enthält er Horrorelemente, ist also auch für Leser mit „niedrigerer Schmerzgrenze“ gut geeignet.

Zafón beschreibt die Welt des Lazarus Jann auf eine so poetisch-schöne Art, dass ich das Gefühl hatte, selbst die düstere Schönheit  Cravenmoores unzähliger Korridore und Zimmer zu erkunden und an Irenes und Ismaels Seite mitgefiebert habe.

Denn so geheimnisvoll und vielseitig wie sich das Anwesen auf Cravenmoore präsentiert, lernt man auch den Besitzer, Lazarus Jann kennen. Er erscheint den Sauvelles als einsamer, jedoch freundlicher und  fantasievoller Mann, doch schon bald müssen sie erkennen, dass auch er Geheimnisse bewahrt. Ist er ein Mörder? Oder doch nur der unschuldige Ehemann einer todkranken Frau? Während Simone Sauvelle seine Schuld bezweifelt, machen sich Irene und Ismael auf die Suche nach der Wahrheit, die die beiden bis ins Herz Cravenmoores führt. Mir hat dabei sehr gefallen, wie menschlich Zafón die beiden darstellt – die neugierige, furchtlose Irene und den verschwiegenen, sorgenvollen Ismael, die einander perfekt ergänzen. Auch Dorian ist mir während des Lesens sehr ans Herz gewachsen und hat mich an meinen eigenen kleinen Bruder erinnert.

Auch das Ende hat mir sehr gefallen. Es ist meiner Meinung nach eine gute und bis zum Schluss nicht komplett vorhersehbare Mischung aus Tragödie und Happy End, wodurch der Roman bis zur letzten Seite spannend bleibt.

Der dunkle Wächter ist also ein absolut lesenswerter Schauerroman mit einer großen Prise Poesie und Romantik, der durch den wundervollen Schreibstil Zafóns zum Leben erwacht. Die Geschichte hält den Leser von der ersten Seite an in Atem und ist perfekt für verregnete Sonntagnachmittage im Bett oder auf der Couch.

3/5

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