Allgemein · Schreiben

C für Charakter

Sie sind diejenigen, die einer Geschichte erst Leben einhauchen. Diejenigen, die den Leser zum Lachen oder Weinen bringen. Diejenigen, die jedes Gefühl und jede Emotion transportieren. Die Charaktere. Manchmal sind sie Spiegelbilder unser selbst, manchmal wie ein bester Freund oder ein strenger Lehrer. Doch was macht eigentlich einen guten Charakter aus?

Ein Charakter besteht aus vielen verschiedenen Elementen. Dazu gehören:

  1. Äußeres Erscheinungsbild: Um ein Bild im Kopf des Lesers entstehen zu lassen, ist das äußere Erscheinungsbild extrem wichtig. Dabei spielen jedoch nicht nur Punkte wie Haar- und Augenfarbe, Alter oder Größe eine Rolle. Viel wichtiger sind an dieser Stelle Dinge, die bereits von außen Schlüsse auf das Innenleben des Charakters zulassen. Hält er sich gebückt oder aufrecht? Hat er Narben? Lächelt er oft? Hat er einen speziellen Kleidungsstil? Sticht er durch irgendwelche Auffälligkeiten aus der Masse? Wenn man das Aussehen eines Charakters beschreibt, sind diese Fragen wichtig, um dem Leser einen bleibenden Eindruck zu vermitteln. Als Beispiel einmal diese zwei Beschreibungen: „Paul war eins achtzig groß. Sein dunkles Haar war kurz geschnitten und seine nachtgrauen Augen schienen mich förmlich zu durchbohren.ODER:John lächelte nicht. Seine Schultern waren angespannt, fast so, als erwarte er jeden Moment einen Angriff. Sein dunkles Haar war so kurz geschnitten, dass es kaum die Narbe an seiner Schläfe verdeckte.“ Welche der beiden Beschreibungen hat ein klareres Bild in deinem Kopf erzeugt? Von wem wüsstest du gern mehr?
  2. Innenleben: Das Innenleben des Charakters ist der Dreh- und Angelpunkt einer jeden Geschichte. Um einen authentischen Charakter zu erschaffen, muss an dieser Stelle viel berücksichtigt werden. Du musst alles über die Gefühle und Gedanken deines Charakters wissen. Wovor fürchtet er sich? Was macht ihn wütend? Hat er schlechte Angewohnheiten? Hat er Selbstzweifel oder zögert oft? Was bringt ihn zum Lachen? Was mag er? Was ist sein größter Wunsch? Wer seinen Charakter sehr genau kennenlernen will, dem empfehle ich auch Fragebögen (wie z.B. den Charakterfragebogen von http://www.writinglaraferrari.com), auf denen dann auch auf andere Punkte wie Vergangenheit und Aussehen eingegangen wird.
  1. Beziehungen zu anderen: Jeder Mensch hat zwischenmenschliche Beziehungen. Manche Menschen liebt man, manche bedeuten einem mehr, als man in Worte fassen kann, andere würde man am liebsten in die nächste Rakete auf den Mond setzen. Genauso sollte es deinem Charakter auch gehen. Je größer die Vielfalt an Beziehungen zu anderen Charakteren, desto spannender. Gefühle wie Misstrauen und Abneigung sind dabei genauso wichtig wie Liebe oder Anziehung. Außerdem sollte bedacht werden, dass sich Beziehungen mit den Charakteren verändern. Vertrauen kann gebrochen werden, Abneigung überwunden.
  2. Vergangenheit und Zukunft: Kein Charakter fällt einfach so aus dem Himmel. Je nach Alter hat jeder schon einen gewissen Lebensweg hinter sich, der garantiert prägend war. Außerdem sind Umfeld und Werte entscheidend, um die Zukunftswünsche und Ziele des Charakters einordnen zu können.
  3. Movitation und Antrieb: Punkt fünf steht nun schon im Zusammenhang mit dem Plot. Es geht um die Motivation deines Charakters. Jeder Charakter braucht ein Ziel, das er im Laufe des Buches zu erreichen versucht. Dabei ist es wichtig, dass seine Beweggründe logisch und nachvollziehbar sind. Ein Held, der die Welt nur rettet, weil er eben nichts besseres zu tun hat oder ein Bösewicht, der nur Unruhe stiftet, weil er böse ist, bieten schließlich wenig Potential für eine Geschichte. Der Antrieb des Charakters kann dabei sehr unterschiedlich sein. Vielleicht ist jemand, den er liebt, in Gefahr? Vielleicht versucht er, etwas zu vertuschen? Vielleicht wurde er verletzt? Vielleicht fürchtet er sich vor etwas? Vielleicht ist er einsam? Wichtig ist, dass der Antrieb stark genug ist, um deinen Charakter auch an Hindernissen nicht scheitern zu lassen.

Das bringt uns auch direkt zum nächsten Schritt. Wir haben mittlerweile ein klares Bild davon, wer unser Charakter ist und was er will. Als nächstes knöpfen wir uns die jeweilige Entwicklung des Charakters vor. Wie wir Menschen braucht ein spannender Charakter (insbesondere der Protagonist) Hindernisse und Stolpersteine, an denen er wachsen kann. Mal ehrlich – wer mag schon Menschen, denen alles in den Schoß fällt, ohne dass sie auch nur mit dem Finger schnippen? Die Aufgabe eines guten Schriftstellers ist es also, herauszufinden, wie genau er selbst der beste Feind seines Charakters sein kann. Was sind die tiefsten Ängste des Charakters und wie kann man sie gegen ihn nutzen? Woran liegt ihm viel und wie kann man ihm diese Dinge nehmen?

Gleichzeitig müssen wir uns aber auch überlegen, wie unser Charakter auf eine realistische Weise damit umgehen kann. Schmerzen müssen überwunden und Lektionen gelernt werden. Der Sinn der Sache ist, dass der Charakter klüger und/oder stärker aus der jeweiligen Herausforderung vorgeht und nur durch dieses Wachstum am Ende fähig ist, sein Ziel zu erreichen.

Zum Abschluss noch ein kleiner Tipp: Im Internet findet man unzählige Fragebögen zu Charakter und Persönlichkeit, aus denen man dann nach Lust und Laune Fragen beantworten kann. In welchem Stadium deines Manuskripts du einen dieser Fragebögen anwenden solltest, hängt natürlich von dir ab. Wer eher der Plotter ist und alles genau geplant haben muss, sollte sich schon vor dem ersten Entwurf genau mit seinen Charakteren befassen. Wer allerdings wie ich eher zum wild drauflosschreiben tendiert oder auch gern mit einem vagen Bild arbeitet und sich überraschen lässt, dem würde ich empfehlen, einen Fragebogen erst nach dem ersten Entwurf auszufüllen, wenn klar ist, wohin die Reise führt und welche Art der Veränderung die Charaktere durchmachen sollen. In jedem Fall ist ein Fragebogen hilfreich, um festzustellen, ob dein Charakter genug Tiefe hat und du ihn gut genug kennst 😉

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