Du hattest mal wieder einen langen Tag. Dein Boss war fies zu dir, deine Bahn ist zu spät gekommen und die Waschmaschine hat dein Lieblingsshirt in einen Traum aus Pink verwandelt. Am liebsten würdest du jetzt einfach nur noch auf die Couch fallen und Netflix und Co. über die Glotze flimmern lassen oder den Abend noch in entspannter Ruhe mit deinen Liebsten ausklingen lassen. Mal ehrlich, alles klingt mit einem Mal viel verlockender als der Monitor oder die leere Seite.

Gerade nach längerer Schreibpause – ein paar Wochen Urlaub, oder vielleicht einer besonders stressigen Phase, in der der Job oder ein anderes Projekt scheinbar alle Zeit auffrisst – fällt es schwer, sich wieder hinzusetzen und einfach loszuschreiben. Die Worte haben sich von einem reißenden Fluss eher in einen zähes kleines Sirup-Rinnsal verwandelt und so kostet es mindestens fünfmal so viel Anstrengung, auch nur einen einzigen Satz zustandezubringen. Du nimmst es dir trotzdem fest vor und kämpfst um jedes Wort. Aber am Ende stellst du fest, dass deine stundenlange Aufopferung gerade mal hundert oder zweihundert Wörter zustande gebracht hat. Du bist enttäuscht und demotiviert und wenn du genau darüber nachdenkst, hättest du eigentlich auch so viele andere Sachen zu tun. Vielleicht versuchst du es trotzdem nochmal, gibst dir ein paar Tage, um die Muse wieder heraufzubeschwören. Doch nichts hilft. Die Inspiration, die dich noch vor Wochen zu Höchstleistungen angespornt hat, scheint in einem großen schwarzen Loch verschwunden. Hast du denn überhaupt noch das Zeug zum Schriftsteller?

Ja! Und genau jetzt ist der Moment gekommen, der dich von all den anderen Möchtegernschreiberlingen unterscheiden wird. Der Moment, an dem das Schreiben nicht mehr nur Spaß bedeutet, sondern auch Hingabe und Willen erfordert. Der Moment, in dem die meisten einfach hinschmeißen, sich einem anderen Projekt zuwenden oder sich eine Pause gönnen und sich vornehmen, vielleicht irgendwann mal weiterzumachen, wenn die Muse sich wieder aus ihrem Versteck traut.

Aber du bist anders. Denn du weißt, ein erfolgreicher Schriftsteller braucht vor allem eines: Disziplin. Ein Roman schreibt sich nun einmal nicht an einem Tag oder in einer Woche (Ausnahmen bestätigen die Regel) und in der Zeit, die dein Herzensprojekt zum Reifen braucht, wird noch die eine oder andere Herausforderung auf dich zukommen. Und um die zu überwinden, musst du dich sehr oft einfach durchbeißen, auf deine Muse scheißen und Worte in die Tastatur hämmern.

Damit dir das gelingt, habe ich hier einige Tipps und Tricks für dich:

  • Feste Strukturen helfen dir, das Schreiben in deinen Alltag zu integrieren und zu verankern. Finde ein Zeitfenster in deinem Tag, an dem du das Schreiben regelmäßig unterbringst. Du kannst morgens eine halbe Stunde früher aufstehen? Toll! Du hast eine Stunde Mittagspause und weißt gar nicht, was du mit dieser Zeit anfangen sollst? Oder vielleicht bist du eine Nachteule und kannst nach dem Abendessen noch schnell eine Stunde abzwacken, bevor du dich gemütlich auf die Couch lümmelst? Egal, welches Zeitfenster du finden kannst – mach es zu deiner Schreibzeit.
  • Halte dich an deine Gewohnheiten und sie werden dir Halt geben. Wenn du dein Zeitfenster gefunden und zu deiner Schreibzeit erklärt hast, ist es wichtig, dass du auch dabei bleibst. Du bist sterbensmüde und würdest dich lieber noch einmal unter die Decke kuscheln? Dein Tag war hart, du bist einfach nur kaputt und würdest viel lieber vor dem Fernseher entspannen? Denk daran, dass nur ein paar Worte schon besser sind als eine leere Seite. Versuch es nur für fünf Minuten und sieh, wie es so läuft. Du wirst merken, dass es nach einer Weile ganz natürlich für dich wird, regelmäßig zu schreiben. Es ist das erste, woran du denkst, wenn du im Halbschlaf das Bett verlässt oder deine Uhr endlich den Beginn der Mittagspause verkündet. Du kommst gar nicht mehr auf den Gedanken, in dieser Zeit etwas anderes zu tun. Und selbst, wenn du mal einen Durchhänger hast, wird dieses feste Ritual dir die nötige Disziplin verleihen, um dranzubleiben.
  • Belohne dich selbst für den Fortschritt, den du machst. Das Schreiben fordert bedingungslose Hingabe und unheimlich viel Aufopferung von uns und manchmal scheint es dennoch, als würden wir kaum vorankommen. Du hast die ersten 1000, 5000 oder 10.000 Wörter deines Manuskripts fertig? Du hast es geschafft, einen Monat lang jeden Tag zu schreiben? Super! Jetzt gönn dir ein großes Stück Kuchen im Lieblingscafé oder das Buch, das schon ewig auf deiner Wunschliste steht und nimm dir einen Moment, um dir selbst auf die Schulter zu klopfen.
  • Ruh dich nicht auf deinen Loorbeeren aus. Du hast dir selbst ein Ziel gesetzt und es erreicht? Du hast dir dafür auf die Schulter geklopft und vielleicht etwas Tolles gegönnt? Dann ist jetzt Zeit, ein neues Ziel zu setzen. Natürlich sollst du nicht gleich vom Fichtelberg zum Mount Everest übergehen, aber mit der Zugspitze könnte man es schon mal versuchen. Erhöhe dein tägliches Schreibziel vielleicht um 50 oder 100 Worte oder versuche, dir ein zweites Zeitfenster zu schaffen, um deine tägliche Schreibzeit zu erhöhen. Schließlich wachsen wir mit unseren Aufgaben.

In diesem Sinne viel Spaß beim Schreiben und möge die Muse mit euch sein.

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