Allgemein · Schreiben

E für Einfach

Schreiben ist einfach. Schreiben ist einfach und genauso schwer. Wie andere vor mir bereits sagten, liegt die Essenz darin, sich zu setzen und ein Wort an das andere zu reihen, immer und immer weiter. Eine simple Tätigkeit, die jedoch mehr erfordert als man zunächst vermuten würde. Denn Schreiben bedeutet auch Ausdauer, es bedeutet Hingabe und es bedeutet, sich mit allem, was man hat und allem, was man geben kann, der Geschichte zu verschreiben, die einen ausgewählt hat. Diese eine Geschichte, die nur von dir auf genau die Weise geschrieben werden kann, die sie verdient.

Dieser Post kommt vielleicht ein bisschen spät und ist vielleicht auch ein bisschen anders als die anderen, aber die letzten Wochen und Monate habe ich viel über das Schreiben und über mich selbst nachgedacht. Ich habe einen Neuanfang in einer (naja gut, nicht ganz) fremden Stadt gemacht und habe zum ersten Mal in meinem Leben Menschen erzählt, dass ich schreibe. Die Welt hat nicht aufgehört, sich zu drehen und die nervigen Nachfragen, die ich so gefürchtet hatte, sind auch ausgeblieben. Was ich stattdessen erhalten habe, war Interesse und das unglaublich gute Gefühl, meine Geschichte und ich könnten es tatsächlich schaffen. Ich habe geschrieben und gelöscht, herumgebastelt und heute Morgen endlich die letzte Szene zusammengeschneidert. Jetzt muss ich mich nur noch um die äußere Form kümmern, bevor ich endlich veröffentlichen werde. Und dieses Mal werde ich nicht kneifen, kann ich nicht kneifen. Diesen Weg habe ich mir verstellt, als ich für das Cover bezahlt habe.

Jedenfalls will ich nur sagen, dass es nicht immer ein einfacher Weg war. Diese Geschichte hat lange gebraucht, hat mich unendlich viele Nerven und Eingeständnisse gekostet. Mehr als einmal musste ich einsehen, dass ich mich in eine Sackgasse geschrieben hatte und es einfacher wäre, von vorn zu beginnen, als auszubessern, was hakte. Ich habe wieder und wieder dieselben und doch andere Szenen geschrieben, habe gekürzt und hinzuerfunden und schlussendlich einige Fremde um ihre Meinung gebeten. Es war ernüchternd, aber zugleich unheimlich motivierend, zu lesen, wie sie die Geschichte empfunden haben. Ich wollte mit dem Finger schnippen und jedes Detail, das sie kritisiert hatten, in einen Traum aus Emotion und Spannung und Feuerwerk verwandeln, doch eine Geschichte ist kein Zaubertrick und für manche Probleme existiert keine einfache Lösung. Also habe ich mich hingesetzt und bin Tag für Tag, Monat für Monat noch einmal alles durchgegangen. Manchmal ist mir das Leben in die Quere gekommen, Wohnungsbesichtigungen und allerliebste Freunde, die ich seit Monaten nicht mehr gesehen hatte. Manchmal bin ich mir aber auch selbst im Weg gewesen, habe gezweifelt, wie schon so oft zuvor. Um ehrlich zu sein, ich zweifle noch immer, ich habe noch immer Angst und ich weiß, dass es nichts gibt, das mir diese Angst nehmen wird.

Und genau deshalb ist Schreiben so schwer – weil wir ein Wort an das andere reihen –  obwohl es uns Angst macht, obwohl wir fürchten, unser kleines Herz könnte brechen, wenn der Erfolg, den wir uns erhoffen, nicht eintritt. Obwohl wir wissen, dass das, was wir schaffen, niemals perfekt sein kann, sondern nur die beste Version, die wir in diesem Moment produzieren können. Wir schreiben weiter und immer weiter, weil Schreiben wie Atmen geworden ist und wir uns irgendwann an seine Präsenz gewöhnt haben wie an den Kaktus im Badezimmer. Wir schreiben und manchmal ist es schwer. Manchmal kostet es Kraft und Überwindung und Disziplin, nicht aufzugeben. Manchmal erfordert es Mut.

Und manchmal, manchmal ist es ganz einfach. Manchmal sitzen wir einfach da und schreiben, was wir fühlen – bluten, wie Ernest Hemingway es mal bezeichnet hatte. Und vielleicht, nur vielleicht, rinnt in unseren Adern ja wirklich Tinte. Vielleicht sind wir auf dieser Welt, um den Geschichten eine Stimme zu geben. Vielleicht fehlt uns nur ein Funke, um eine kleine Geschichte doch noch in Magie zu verwandeln. Vielleicht ist Schreiben einfach.

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