Rezension zu Norra Latin – Die Schule der Träume von Sara B. Elfgren

Tamar und Clea haben die Aufnahmeprüfung der renommierten Stockholmer Schauspielschule Norra Latin bestanden. Die beiden sind grundverschieden, doch sie verbindet der Traum von einer Schauspielkarriere. Aber dass der Schulalltag so aufregend wird, hätten sie nie gedacht. Denn es gibt Gerüchte über eine Tragödie, die sich dort vor Jahrzehnten ereignet hat. Was ist damals bei einer Shakespeare-Aufführung passiert? Und wer ist der mysteriöse »Schatten« von Norra Latin? Je tiefer Tamar und Clea in die Vergangenheit eintauchen, desto größer scheint das Rätsel zu werden – und die Gefahr.

Ein riesiges Dankeschön geht an dieser Stelle an die NetzwerkAgenturBookmark, der mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Aufgrund der Inhaltsangabe und dem wunderbar-mysteriösen Cover habe ich eine etwas düstere und geheimnisvolle Geschichte voller Gänsehautmomente, aber auch die berühmte „Internatsstimmung” mit Freundschaft, Cliquen und allem Drum und Dran erwartet. Vorgefunden habe ich eine etwas andere Geschichte, die mich nichtsdestotrotz in ihren Bann gezogen hat.
Der Schreibstil ist sehr atmosphärisch, aber dennoch so flüssig, dass ich im Nu zwischen die Zeilen getaucht bin und die kalte Herbstluft auf Stockholms Straßen inhaliert habe. Die düstere und mysteriöse Atmosphäre hat mich direkt auf Halloween eingestimmt.

Allerdings rutscht das Ganze auch sehr schnell mal ins Trübe und Deprimierende ab.
Zur Spannung muss ich sagen, dass die ganze Geschichte eine sehr lange Anlaufzeit hat. Immer mal wieder bekommt man Informationsbrocken zum „großen Geheimnis” vor die Füße geworfen, doch gleich darauf wird die Spannung durch andere Szenen wieder unterbrochen. Besonders gestört haben mich dabei die Szenen aus Cleas Sicht. Ich kam mir manchmal vor, als würde ich ständig dieselben Streits zwischen ihr und Tim lesen und wollte sie oft am liebsten packen und schütteln, weil sie so furchtbar passiv war. Ich habe die ganze Zeit gehofft, dass sich das im Laufe der Geschichte durch eine neue Freundschaft mit Tamar ändern würde und sie vielleicht endlich den Mut fände, sich von Tim zu lösen, doch Fehlanzeige.

Tamar auf der anderen Seite war zwar etwas aktiver aber durch ihre eher isolierte Haltung konnte ich mit ihr auch nicht richtig warm werden. Ich mochte, wie selbstständig und mutig sie war, doch im Zusammenspiel mit Cleas verkorster Beziehung habe ich Tamars Einsamkeit nur noch stärker wahrgenommen. Manchmal hat es sich angefühlt, als wäre jeder in diesem Buch auf eine unterschiedliche Art so mutterseelenallein, dass es mich richtig runtergezogen hat. Es wundert also sicher keinen, wenn ich mir (nicht zuletzt dank der Inhaltsangabe) im Verhältnis von Clea und Tamar etwas mehr Annäherung gewünscht hätte. Ein paar Gespräche auf den letzten hundert Seiten kamen für mich einfach zu spät.

Die dritte Schlüsselfigur – Tim – habe ich leider fast das ganze Buch über nur als Störfaktor empfunden und hätte seine Rolle am liebsten gestrichen, wenn er nicht so wichtig gewesen wäre. Klar, nicht jeder Kerl muss ein Gentleman sein, aber so dermaßen nervtötend sollte sich eine wichtige Figur auch nicht verhalten.

Die Geschichte selbst ist gut durchdacht. Der Hintergrund ist wunderbar geheimnisvoll und regt sehr lang zum Miträtseln an, bis die Wahrheit durch einige überraschende Wendungen am Ende schließlich doch enthüllt wird.

Die Handlung der Gegenwart hingegen ist an die heutige Jugendzeit angepasst und recht autenthisch. Jedoch kam es mir persönlich etwas übertrieben vor, derartige Drogeneskalationen und Extrempartys 24/7 im Alter von 15 oder 16 als eine Art Normalzustand darzustellen. Aber vielleicht habe ich solche Kreise auch einfach umgangen. Gut gefallen hat mir jedenfalls der offene Umgang mit Homosexualität. Endlich, endlich wird dieses Thema mal nicht extrem hervorgehoben oder komplett unter den Tisch gekehrt, sondern gehört einfach irgendwie dazu. Danke!

Schlussendlich kann ich allerdings nur sagen, dass ich nicht weiß, was ich sagen soll. Das Buch spaltet mich in meiner Meinung, denn einerseits hat sich die Handlung ziemlich gezogen und mindestens die Hälfte der Kapitel – Cleas – haben mich nach den ersten hundert Seiten nur noch genervt, aber andererseits habe ich das Buch trotzdem unglaublich schnell verschlungen und bin dank der lebendigen Beschreibungen so tief in die Geschichte getaucht, dass ich das Gefühl hatte, selbst durch Stockholms Straßen zu wandern. In jedem Fall hat dieser Roman an meinen Nerven gezehrt. Ich denke, jemandem mit mehr Freude an düsteren Geschichten könnte dieser Roman wirklich gefallen.

3/5

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