Allgemein · Schreiben

F für Frust

Heute dreht es sich hier um alles, was beim Schreiben auch manchmal schief läuft. Oder das, was gar nicht läuft. Die Phasen, wenn du einfach nicht weiterkommst, wenn alle Protagonisten sich gegen dich verschworen haben und du beginnst, daran zu zweifeln, ob du tatsächlich zum Schreiben bestimmt bist. Immerhin gibt es so viele andere Berufe. Einfache Berufe. Berufe, die dich nicht zwingen, dich in aller Öffentlichkeit verletzlich zu machen und die dich auch nicht zwingen, jede freie Minute allein am PC zu verbringen. Berufe, bei denen nebenbei vielleicht noch Zeit für Familie und Freunde ist.

Aber du hast dich entschieden, dass du ein Schriftsteller sein willst. Du willst irgendwann davon leben können, Bücher zu schreiben. Nun, ich will deine Seifenblase keinesfalls zerplatzen lassen – aber so einfach, wie du es dir vorstellst, ist es nicht.

Allein das Schreiben selbst ist nicht immer ein Spaziergang. Oft bedeutet es, sich einfach aufzuraffen und hinzusetzen, auch wenn man eigentlich gar keine Lust hat. Gleichzeitig ist es immer ein Spagat zwischen der Zeit, die wir uns zum Schreiben nehmen und der Zeit, die wir Familie, Freunden und unserer Freizeit einräumen. Gedanken wie: „Ich hätte heute (mehr) schreiben sollen.“ Oder ganz gegenteilig: „Ich hätte die Zeit, die ich heute geschrieben habe, eigentlich lieber zum lernen für diese Prüfung oder zum erledigen dieser oder jener Aufgabe verwenden sollen.“ sind ganz normal und finden jeden von uns irgendwann einmal. So ist es mit dem Schreiben. Wir fühlen uns schlecht, wenn wir es tun und wir fühlen uns schlecht, wenn wir es nicht tun. Trotzdem machen wir weiter und setzen irgendwann ein ENDE unter die Geschichte, die uns all unsere Nerven gekostet hat.

Aber wer denkt, damit wäre der schwierige Teil vorbei, könnte nicht schlimmer falsch liegen. Nach Überarbeitungen und Textlesephasen oder Diskusstionen mit deinem Lektor folgt die Veröffentlichung und worüber nur die wenigsten Autoren offen sprechen, ist, wie viel Kraft dieser Prozess kostet. Für Verlagsautoren mag es etwas einfacher sein, da sie sich auf den Rückhalt ihres Verlags bei Marketing und die Ermunterung der Lektoren nach einer schlechten Rezension verlassen können. Doch gerade für Selfpublisher beginnt an dieser Stelle eine neue Herausforderung. Zum ersten Mal präsentieren wir unser Werk und damit auch einen Teil unser Selbst der Öffentlichkeit. Panik beginnt und Fragen wie: Wird sich das Buch verkaufen? Wie werden die Leser darauf reagieren? Wird überhaupt jemand reagieren? werden zum täglichen Begleiter.

Und obwohl wir uns die größte Mühe geben, sie anzunehmen und daraus zu lernen, tut jedes kleinste Wort der Kritik tausendmal mehr weh als hundert Worte des Lobs an Freude auslösen könnten. Auch der Umgang mit Kritik will erlernt sein und egal, wie einfach es klingt, dankbar für jede Meinung zu sein und sich stetig zu verbessern, ist es manchmal schlicht und einfach schwer. Manchmal tut es weh und manchmal ist es anstrengend. Manchmal stellt man alles in Zweifel.

Ich will an dieser Stelle ganz ehrlich zu euch sein: Das erste Buch zu veröffentlichen war eine besondere Erfahrung für mich. Ich habe mich gefreut, ich war euphorisch und noch immer zaubert mir jedes kleine Wort des Lobs ein Lächeln auf die Lippen. Doch gleichzeitig hatte ich nicht erwartet, wie tief die Reaktionen oder ebenso das Fehlen dieser mich treffen könnten. Ich will mich nicht beschweren, ich habe wirklich viel gutes Feedback bekommen und das, was ich hier so hart als Kritik bezeichne, war kein unbegründetes Geschimpfe, sondern einige konstruktive und eben auch infrage stellende Bemerkungen zu ein paar Details. Dennoch beginnt man mit jeder dieser Bemerkungen an sich selbst und seinem Schreiben zu zweifeln. Und diese Zweifel haben mich am Weiterschreiben gehindert, was wiederum dafür gesorgt hat, dass ich mich noch schlechter gefühlt habe. Ein Teufelskreis.

Trotzdem soll das hier kein Beitrag sein, in dem ich mich pausenlos über das Schreiben beschwere. Denn wenn alles nur schlimm wäre, hätte ich schon längst das Handtuch geworfen. Ja, Schreiben kann frustrierend sein, Veröffentlichen genauso. Aber F ist auch der Buchstabe, mit dem Freude beginnt und diesem Gefühl würde ich gern das Ende meines Beitrags widmen.

Denn Schreiben bedeutet an manchen Tagen auch genau das – Freude – für mich. Wenn ich die Welt um mich herum völlig vergessen kann, wenn ich beginne, in fremde Welten zu tauchen, mit meinen Charakteren Witze zu machen und mir die fiesesten Intrigen im Kopf der Antagonisten auszudenken. Wenn ich mit Hexen fliege und mit Nixen schwimme, dann ist Schreiben Freude. Und ich schätze, ein kleiner Teil von mir hungert immer und immer weiter nach diesen kleinen Momenten der Freude. Irgendwo habe ich mal gelesen, Schreiben sei wie eine Sucht und ich bin an dieser Stelle mal so frei, den Vergleich zu übernehmen. Denn es ist wahr: Das Schreiben ist eine Sucht nach kleinen Momenten der Zufriedenheit, des Sich-Selbst-Vergessens und Abtauchens. Es ist ein Zwang, der uns dazu bringt, Worte auf Papier zu bannen, selbst, wenn wir wissen, dass sie vielleicht nie gelesen werden, dass wir vielleicht nie erfolgreich werden, dass wir am Ende vielleicht nicht das erreichen, wovon wir jetzt träumen. Wir machen trotzdem weiter, weil wir nicht anders können. Und manchmal, nur manchmal, ist es dann ganz einfach. Manchmal sitzen wir – um Hemingway in abgewandelter Form zu zitieren – einfach vor unserem Laptop und bluten. Und es ist uns völlig egal, ob wir uns damit verletzlich machen und ob später irgendjemand in diesen Wunden herumstochern wird. Denn in diesem Moment sind wir einfach glücklich. Die Worte fließen und wir lassen uns von ihnen mitreißen.

Deshalb geht das hier an alle unter euch, die auch stolpern. Alle, die auch kämpfen und denen das Schreiben vielleicht gerade nicht so einfach von der Hand geht.

Macht weiter. Irgendwann werden die Worte wieder fließen und dann wird es das schönste Gefühl sein, dass ihr euch vorstellen könnt. Gebt einfach nicht auf. Glaubt an euch. Ich glaube an euch.

Und ich verspreche, dass es beim nächsten Mal endlich wieder einen etwas positiveren Beitrag gibt 😉

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