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L für Lernen

… oder 11 Dinge, die ich bei der Veröffentlichung meines ersten Romans gelernt habe.

Wie du vielleicht schon weißt, habe ich letztes Jahr im November (mein Gott, wie lange das schon wieder her ist…) meinen Debütroman „Die Rebellenprinzessin” im Selfpublishing veröffentlicht. Ich habe zuvor bereits mehr als sieben Jahre lang an der Geschichte gearbeitet und obwohl es heute ziemlich naiv erscheint, habe ich tatsächlich geglaubt, dass eine Veröffentlichung das Ende dieser Reise markieren würde. Wie falsch ich damit lag! Heute kann ich sagen, dass die Veröffentlichung erst der Anfang eines langen, steinigen Wegs ist, den jeder Selfpublisher und wahrscheinlich auch viele Verlagsautoren nach der Erscheinung ihres Romans entlangwandern. Was ich während dieser Zeit gelernt habe, möchte ich heute mit dir teilen:

1. Ja nichts überstürzen.

Eine der wichtigsten Lektionen, die ich erst nach der Veröffentlichung gelernt habe, ist es sich vor der Veröffentlichung keinen Stress zu machen. Viele Blogs und Experten raten, das Marketing bis zu 6 Monate vor der Veröffentlichung zu beginnen und sich quasi noch während der letzten Überarbeitungen mit Coverentwurf, Veröffentlichungstermin und Werbestrategien zu beschäftigen. Im Verlag läuft das auch genau so parallel ab – nur, dass sich da verschiedene Personen darum kümmern und man als Autor nicht mehr zu tun hat, als zu überarbeiten und ab und zu Vorschläge anzusehen. Aber als Selfpublisher läuft es auf eine wahre Zerreißprobe heraus, wenn man alles irgendwie auf einmal stemmen will – gerade, wenn es der erste Roman ist und man alles zum allerersten Mal macht. Wenn du also keinen Masterplan hast oder einer dieser völlig stressresitenten Menschen bist, wird irgendetwas liegenbleiben. Deshalb solltest du zuerst sicher sein, dass dein Manuskript fertig (oder so gut wie fertig) ist, bevor du Sachen wie Cover-Design, Veröffentlichungstermin und Marketing angehst. Du hast immerhin alle Zeit der Welt. Warum also die Dinge nicht nacheinander angehen und deinem Debüt die Zeit geben, die es braucht?

2. Bereit sein

Eine Veröffentlichung ist ein großer Schritt und egal, wie lange (und realistisch) du bisher darüber nachgedacht und geträumt hast – nichts kann dich wirklich auf das Gefühl vorbereiten, das du empfindest, wenn deine Arbeit wirklich da draußen in der Welt ist. Wenn sie gelesen wird, wenn andere Menschen in eine Welt eintauchen, die vorher nur in deinem Kopf existiert hat. Es kann überwältigend sein – für mich war es das. Und deshalb solltest du sicher sein. Ist deine Geschichte bereit? Bist du selbst bereit für alles, was auf dich zukommen könnte? Kannst du mit Kritik oder ganz ohne Reaktionen umgehen? Kannst du Lob annehmen? Und am wichtigsten – bist du begeistert von deiner Geschichte und freust dich darauf, sie mit der Welt zu teilen? Wenn du diese Frage mit Ja beantworten kannst, hast du eine der wichtigsten Voraussetzungen, die es erfordert, ein Selfpublisher zu sein. Und du solltest diese Begeisterung und Aufregung unbedingt mit der Welt teilen. Sprich ehrlich darüber, warum du stolz auf diese Geschichten ist oder was du besonders daran magst. Lass die Welt und dich selbst einmal mehr wissen, dass du bereit bist.

3. Weißt du, was da auf dich zukommt?

In Verbindung mit Punkt 2 will ich an dieser Stelle darauf eingehen, wie viel Arbeit eine Veröffentlichung als Selfpublisher tatsächlich bedeutet. Ich selbst dachte damals, ich wäre gut informiert. Ich hatte Blogartikel gelesen, Videos gesehen und jede Menge Pläne gemacht. Aber nichts davon hat mich darauf vorbereitet, wie viel Arbeit am Ende tatsächlich zusammenkam. Es beginnt womöglich mit der Suche nach Testlesern und/oder einem Lektor. Dann geht es um die Beauftragung eines passenden Coverdesigners, die Wahl einer Veröffentlichungsplattform (lieber KDP oder neobooks, BoD oder 26?), die Formatierung des eBooks und/oder der Print-Version inklusive Buchsatz und plötzlich stehst du vor einem ganzen Haufen kleiner Dinge und Details, an die du bisher gar nicht gedacht hast. Sobald du eine Hürde überwindest, schießen vor dir schon zwei neue aus dem Boden und wenn du nicht aufpasst, siehst du irgendwann den Wald vor lauter Bäumen … äh, Hürden nicht mehr. Eine (gute) Veröffentlichung ist weder so einfach noch so schnell abgewickelt, wie es manche Websites erscheinen lassen. Deshalb auch Punkt 4:

4. Einen Plan haben

Einen Plan haben – das ist einfacher gesagt als getan, wenn man Debütautor ist. So genau weißt du ja gar nicht, was auf dich zukommt – wie kannst du da einen Plan haben, der jede Eventualität abdeckt? Zum Glück gibt es da ein Wundermittel namens Internet, das voller Blogs, Youtube-Channels und toller Foren (wie zum Beispiel die Schreibnacht) ist. Nutze, was du finden kannst, um dir ein möglichst genaues Bild von dem zu machen, was auf dich zukommen könnte, mach dir eine Vorstellung von den Kosten und dem Aufwand und versuche, zumindest einen groben Zeitplan und eine To-Do-Liste zu erstellen. Probiere schon ein bisschen mit Programmen herum, falls du dein Cover oder deinen Buchsatz selbst machen willst. Mach dich mit Marketing-Strategien und verschiedenen Social-Media-Plattformen vertraut. Aber lass dir selbst bei all dem immer genug Freiraum, um deine Pläne anzupassen, falls doch ungeahnte Probleme auftauchen. Dann solltest du am Tag der Veröffentlichung bestmöglich vorbereitet sein.

5. Loslassen

Am Tag der Veröffentlichung und für die Zeit danach ist dieser Tipp einer meiner wichtigsten. Deine Geschichte ist dein „Baby“ – ein Kind, dem du von seiner Geburtsstunde an jeden Tag beim Wachsen zugesehen hast, dessen Weg du auf jedem Schritt begleitet hast und das dir unglaublich viel bedeutet, weil es einen Teil von dir in sich trägt. Stell dir vor, der Tag der Veröffentlichung ist der Tag, an dem dieses Kind von Zuhause auszieht. Es ist erwachsen. Das bedeutet nicht, dass dieses Buch keine Schwächen hat oder dass es fehlerfrei ist (sonst gäbe es ja kein Potential nach oben). Das bedeutet allerdings, dass dein Baby jetzt bereit ist, allein in der Welt zu stehen. Du als Elternteil musst jetzt loslassen und hoffen, dass alles, was du deiner Geschichte mit auf den Weg gegeben hast, ihr hilft, sich in der Welt zu behaupten. Vor allem musst du dir klarwerden, dass du nicht diese Geschichte bist. Dieses Buch ist nur eines von vielen, die du hinaus in die Welt entlassen wirst und ihr Erfolg oder Scheitern ist nichts, was dich als Person definieren sollte. Deshalb musst du loslassen und dich auf all die anderen Geschichten konzentrieren, die ihren Weg noch vor sich haben und dich brauchen.

6. Marketing ist alles

… aber als Debütautor schwieriger als erwartet. Ohne ein fertiges Produkt hast du schließlich nichts Handfestes zu bewerben und höchstwahrscheinlich fiebert auch keine begeisterte Fangemeinde deinem Debüt entgegen. Wie also kannst du völlig Fremde davon überzeugen, dass etwas Tolles auf sie zukommt? Und wie findest du unter all den Menschen da draußen genau diejenigen, die deine Geschichte dann auch wirklich lieben werden? Auf diese Fragen werde ich in einem Extra-Beitrag zum Thema Marketing im Oktober noch einmal eingehen. Bis dahin solltest du zwei Dinge nicht vergessen: Erstens, Marketing entscheidet maßgeblich über Erfolg oder Scheitern einer Veröffentlichung und zweitens, auch als Debütautor ist es möglich, vor der Veröffentlichung potentielle Leser und vielleicht sogar Fans zu erreichen. Also schenke dem Marketing vor deiner Veröffentlichung ein angemessenes Budget und plane einen Teil deiner Zeit dafür ein.

7. Realistische Erwartungen

Dieser Punkt wird dich wahrscheinlich nicht überraschen, aber ich will ihn dennoch ansprechen. Zu hohe Erwartungen können die Zeit nach deiner Veröffentlichung in eine einzige Enttäuschung verwandeln. Und während extrem niedrige Erwartungen zwar den Vorteil bieten, dass du dich auch über kleine Erfolge freuen kannst, halten sie auch ein Risiko bereit. Zu niedrige Erwartungen schmälern dein Selbstbewusstsein und hindern dich daran, richtig für dein Buch zu werben. Du als Autor kennst die Stärken und Schwächen deiner Geschichte am besten und solltest deshalb auch ihre Chancen auf dem Markt am besten einschätzen können. Natürlich ist es extrem unwahrscheinlich, dass ein Debüt im Selfpublishing innerhalb von Stunden an die Spitze der Bestsellerlisten klettern wird. Mit guten Marketing wirst du vielleicht einige hundert Exemplare verkaufen und wenn deine Geschichte gut ist, wird sich das sicher auch in der einen oder anderen positiven Rezension niederschlagen. Eine Sache, die ich an dieser Stelle noch ansprechen will, sind die Erwartungen an Familie oder Freunde – oder besser gesagt das Verzichten auf dieselben. Klar ist es schön, wenn alle dich unterstützen und deine Werke lesen, aber du solltest es nicht voraussetzen. Immerhin sind wir alle verschieden und so wie du vielleicht nicht gern Joggen gehst, ist dein Bruder vielleicht ein Lesemuffel oder deine Tante betrachtet das Schreiben nicht als ernstzunehmende Karriere. Klar ist das schade, aber es gibt dir die Chance, dankbar für alle zu sein, die tatsächlich Interesse zeigen, auch wenn es vielleicht nur kleine Nachfragen sind. Lange Rede, kurzer Sinn: Immer auf dem Boden bleiben – aber bitte nicht im Keller verstecken!

8. PPD existiert wirklich!

PPD – Post Publication Depression ist keine Erfindung des Internets und tatsächlich nur ein Teil der Gefühlsachterbahn, die du nach der Veröffentlichung durchleben wirst. Irgendwo zwischen Euphorie, Panik und jeder Menge irren Hoffnungen wirst du dich völlig entkräftet fragen, worauf du dich da eigentlich eingelassen hast. Die Monate vor der Veröffentlichung sind unglaublich anstrengend und die Monate danach werden nicht einfacher. Also nicht verzagen, wenn du plötzlich am Rande der Verzweiflung stehst und keine Ahnung hast, was da eigentlich gerade passiert. Die meisten Autoren haben irgendwann einmal dasselbe durchgemacht. Kopf hoch und weitermachen.

9. Vorsicht vor Rezensionen

Ich bin bereits in meinem letzten Beitrag darauf eingegangen, aber ich kann es nicht oft genug sagen: Rezensionen sind für andere Leser, NICHT für den Autor. Natürlich können sie dich motivieren oder wichtige konstruktive Kritik enthalten, die dir als Schriftsteller bei zukünftigen Projekten helfen. Aber genau so können sie dich verunsichern und zweifeln lassen. Deshalb – falls du die Möglichkeit hast – lass einen guten Freund oder jemanden aus deiner Familie deine Rezensionen lesen und dir die wichtigsten Kritikpunkte, aber auch Lob zusammenfassen. So umgehst du nervenzehrende Zweifel und Unsicherheit und kannst deine Energie aufs Marketing oder dein neustes Projekt verwenden. Oder …

10. Wie wäre es mit einer Pause?

Manchmal ist es nicht die beste Idee, sich nach einer Veröffentlichung direkt ins nächste Projekt zu stürzen. Gerade die Wochen unmittelbar vor der Veröffentlichung sind superstressig und zwischen Marketing, Veröffentlichung, Networking und dem Aufbau einer Fangemeinde bleibst du selbst vielleicht auf der Strecke. Wir wäre es also mit einem bisschen Zeit nur für dich selbst? Ein bisschen die Seele baumeln lassen und herunterschalten, vielleicht eine Schreibpause einlegen oder ein kurzer Social-Media-Detox? Du wirst sehen, eine kleine Pause kann Wunder wirken und du kannst die Energie tanken, die du während der nächsten Monate gut gebrauchen kannst.

11. Geduld

Die letzte und wichtigste Lektion, die ich während der Veröffentlichung meines Debüts gelernt habe, ist Geduld. Falls du vom Schreiben leben willst, hast du wahrscheinlich schon davon gehört – falls nicht, hörst du jetzt davon: Geduld ist eine der wichtigsten Eigenschaften, die ein Schriftsteller mitbringen sollte. Also übe dich früh darin. Habe Geduld mit dir selbst, deiner Karriere und dem Erfolg deiner Geschichten. Mit der Zeit wird sich alles finden.

Das waren sie auch schon, die 11 Dinge, die ich während meiner ersten Veröffentlichung gelernt habe. Ich hoffe, du konntest vielleicht das eine oder andere mitnehmen. Was waren die wichtigsten Dinge, die du bisher gelernt hast?

Lass es mich gern in den Kommentaren wissen 🙂

2 Kommentare zu „L für Lernen

  1. Wow, echt toll, dass du all das gestemmt hast! Ich bein schon sehr neugierig auf den Artikel übers Marketing.
    Ein Tip für alle, die den Schriftsatz für ihr Buch selbst machen wollen: Das Textsatzprogramm LaTeX ist komplett kostenlos, bietet wahrlich unendliche Möglichkeiten und hat eine sehr große Community, die man um Hilfe bitten kann. Man muss sich allerdings erst einmal einarbeiten. Um Letzteres einfacher zu machen, werde ich demnächst bei mir mal eine LaTeX-Vorlage für den Schriftsatz eines Romans bereitstellen 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Das ist sehr interessant, ich hatte ein bisschen LaTex letztes Semester im Studium, aber lange nicht genug, um mich richtig einzuarbeiten – ich werde also definitiv bei dir vorbeischauen 🙂

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