Allgemein · Schreiben

O für „Oh du Fröhliche!“

Oh du fröhliche! Bald ist es wieder soweit – bei Kerzenschein und Keksen kommen wir mit unseren Nächsten zusammen und lassen das vergangene Jahr Revue passieren. Weihnachten ist das Fest der Liebe und in diesem Zusammenhang möchte ich dir heute ein bisschen Liebe für deine Geschichten mit auf den Weg geben.

Im letzten Beitrag hatte ich ja bereits über ein kleines Werkzeug berichtet, das dir hilft, Zweifel zu überwinden und Vertrauen in dich selbst und deine Geschichten zu entwickeln. In diesem Beitrag möchte ich allerdings noch einen Schritt weitergehen und dich dazu anregen, deine Geschichten aus tiefstem Herzen zu lieben. In den Jahren, die ich bereits schreibe, ist das eines der Dinge gewesen, die mir am schwersten gefallen sind. Ich selbst bin noch immer meine härteste Kritikerin und manchmal wird diese kleine mäkelige Stimme in mir sogar so laut, dass ich das Schreiben am liebsten ganz aufgeben würde. Wenn es dir genauso geht, dann ist dieser Beitrag hier für dich.
Aber ein Schritt nach dem anderen: Warum ist es überhaupt so wichtig, dass du deine Geschichte liebst?

Zuerst einmal ist es viel wahrscheinlicher, dass du die Motivation behältst. Wenn du deine Geschichte liebst, wirst du gern daran arbeiten und deine Geschichte schließlich auch beenden. Außerdem wirst du, wenn du einen Grund hast, deine Geschichten zu lieben, in Zeiten des Zweifelns einen Anker haben, an dem du dich festhalten kannst. Wenn du deine Geschichte liebst, wird auch die Geschichte selbst und dein Schreibstil davon profitieren. Ganz abgesehen davon, dass dir später das Marketing viel leichter fallen wird, wenn du für das brennst, was zu verkaufst.

Aber wie stellst du es nun an, deine Geschichte trotz Schwächen und Plotholes zu lieben?

1. Sei du selbst

Jetzt rollst du vermutlich mit den Augen und denkst dir „nicht schon wieder so ein Selbsthilfe-Kram”. Aber es geht an dieser Stelle darum, dass du genauso schreibst, wie du willst. Lass niemand anderen entscheiden, was deine Geschichte braucht oder nicht braucht, wie viele Adjektive du verwenden darfst oder ob das Wort, das du gerade tippst, viel zu hochgestochen klingt. Vergiss all die (gut gemeinten) Ratschläge. Versuche nicht, so zu schreiben wie deine Lieblingsautoren. Schreibe stattdessen so, wie du schreiben willst. Mit deiner ganz eigenen Stimme und deinem ganz eigenen Erzählstil. Denn deine Geschichte ist genauso einzigartig wie du und niemand anderes kann sie auf dieselbe Weise erzählen.

2. Lege ein Stückchen von dir selbst in deine Charaktere

Wir tendieren dazu, die Charaktere am meisten zu lieben, mit denen wir uns identifizieren können. Gemeinsamkeiten zwischen dir und deinen Charakteren helfen dir, dich in sie hineinzuversetzen und geben den Leser eine Möglichkeit, anzuknüpfen und Nähe zu den Charakteren aufzubauen. Ich will dich damit auf keinen Fall zu ermutigen, alle deine Charaktere wie Versionen von dir selbst zu gestalten – ganz im Gegenteil. Jeder deiner Charaktere sollte einzigartig und vielleicht auch ganz anders als du sein – aber es spricht nichts dagegen, winzige Stückchen von dir selbst einzubauen. Vielleicht trinkt einer der Charaktere gern deine Lieblingsteesorte oder teilt deine Faszination für Schwarz-Weiß-Filme? Die Möglichkeiten sind endlos!

3. Lege ein Stückchen von dir selbst in deinen Plot

Ähnlich wie beim letzten Punkt hilft dir auch dieser Schritt, dich besser in die Geschichte zu versetzen und dich mit ihr wohlzufühlen. Vielleicht spielt die Geschichte in deinem Heimatort? Oder zu deiner Lieblingsjahreszeit? Vielleicht kannst du auch eigene Erfahrungen und Begebenheiten einfließen lassen? Dir sind keine Grenzen gesetzt.

4. Schrecke nicht vor Tropes zurück

Zu Tropes habe ich in diesem Beitrag bereits etwas geschrieben, aber ich will sie auch an dieser Stelle noch einmal aufgreifen. Denn obwohl viele Schreibratgeber oft davor warnen, in Klischees zu verfallen, halte ich Tropes für eine tolle Möglichkeit, den Plot aufzupeppen oder eventuelle Löcher zu stopfen. Und wenn es einen bestimmten Trope gibt, von dem du einfach nicht genug bekommen kannst, warum solltest du ihn dann nicht auch verwenden? Vielleicht kannst du ihm ja deinen ganz eigenen, speziellen Twist verleihen?

5. Erstelle ein Pinterest-Board

Ich kann es gar nicht oft genug sagen – Pinterest ist meine Wunderwaffe Nummer eins. Wenn ich beim Schreiben das Gefühl habe, den Faden zu verlieren oder mich von der Geschichte zu distanzieren, helfen mir Pinterest-Boards enorm. Die Kombination aus Bildern und Worten, die ich meist noch vor dem Schreiben selbst sammle, erinnern mich immer an meine ursprüngliche Idee, an die „perfekte Version” meiner Geschichte, die ich zu diesem Zeitpunkt im Kopf hatte. Wenn du während des Schreibens zu dieser Vision zurückkehren kannst, erinnerst du dich vielleicht, warum du dich gerade in diese Geschichte so sehr verliebt hast, dass du entschieden hast, sie auf Papier zu bannen.

6. Schreibe dir kleine Erinnerungen

Zwischen all den Zweifeln hat jeder von uns auch Momente, in denen wir unsere Geschichten toll finden. In denen wir uns selbst überraschen. Vielleicht ist es ein Satz oder ein Abschnitt einer alten Version, den du nach Jahren wiederentdeckst, vielleicht ist es ein Charakter, der dir besonders ans Herz gewachsen ist. Was auch immer du an deiner Geschichte liebst, schreib es dir auf und behalte es irgendwo, wo du es immer im Blick hast.

Schlussendlich kommt die Liebe zu deiner Geschichte mit der Zeit, die du dir gibst, sie zu entwickeln. Vergiss nicht, dass keine Geschichte jemals perfekt ist. Keine Geschichte wird jemals so sein wie deine und allein das ist doch schon ein Grund, sie zu lieben, richtig?

In diesem Sinne wünsche ich dir und deiner Geschichte ein wundervolles Weihnachtsfest.

Ein Kommentar zu „O für „Oh du Fröhliche!“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s