Allgemein · Schreiben

P für Plot

Planlos ans Ziel? Deine Geschichte dümpelt gerade in den seichten Gewässern eines romantischen Subplots oder verliert sich auf der Sandbank der endlosen Landschaftsbeschreibungen? Du weißt nicht, wo du anfangen sollst oder wie es weitergeht? Du hast eine tolle Idee für eine Geschichte aber keine Ahnung, wie du sie umsetzen kannst? Dann ist das Schreibthema im Januar ja vielleicht genau deins.

Ein Plot – was soll das überhaupt sein?

Ganz grob gesagt, bildet der Plot das Grundgerüst deiner Geschichte. Je nachdem, wie detailliert du ihn ausarbeitest, beschreibt er die Handlung und geht dabei auf Spannungsbogen und Charakterentwicklung ein. Jede Geschichte hat einen solchen Plot, ganz unabhängig davon, ob du ihn nun vorher planst oder einfach drauflosschreibst.

Warum solltest du also plotten?

Ganz einfach – um dir später die Arbeit zu erleichtern. Wenn du eine klare Vorstellung davon hast, welche Geschichte du erzählen willst, wird es dir leichter fallen, sie später wirklich zu erzählen. Du hast ein Ziel vor Augen, auf das du hinarbeiten kannst und vermeidest dadurch, hängenzubleiben. Dein Plot ist dein Kompass, wenn du dich beim Schreiben verirrst. Und glaube mir, das wird passieren. Außerdem sparst du dir beim Schreiben später die Zeit, darüber nachzudenken, wie es weitergeht. Die ganze Denkarbeit ist dann bereits geleistet und du kannst dich einzig und allein darauf konzentrieren, deine Geschichte zu erzählen.

Doch wie die meisten Dinge, hat auch das Plotten nicht nur Vorzüge. Zuallererst einmal kostet es dich Zeit. Abhängig davon, wie komplex und lang deine Geschichte am Ende sein soll, wird auch dein Plot Zeit zum Reifen brauchen. Sei also darauf vorbereitet, dass du nicht jedes knifflige Problem im Zuge eines Abends lösen kannst. Weiterhin kann es passieren, dass das Plotten dich – statt dir zu helfen – eher hindert. Während du plottest, kannst du deine Fantasie so wild spielen lassen, wie du möchtest und vielleicht musst du dich sogar zügeln, um nicht sofort mit dieser einen Szene einzusteigen, die du dir gerade in allen Einzelheiten ausgemalt hast. Wenn du dann allerdings den fertigen Plot vor dir liegen hast, kann es vorkommen, dass du dich eingeengt fühlst. Du bist deine Geschichte so oft in Gedanken durchgegangen, dass das Schreiben selbst für dich nicht mehr spannend ist.

Die sicherste Möglichkeit, herauszufinden, ob das Plotten dir hilft, ist, es auszuprobieren. Jeder von uns hat einen anderen Prozess und eine andere Art, an die Dinge heranzugehen. Ich war beispielsweise komplett im Team Pantser, als ich begonnen habe. Das heißt, ich habe ohne Plan einfach drauflosgeschrieben. Auf diese Weise habe ich fast 5 Jahre gebraucht, um meinen ersten Roman zu vollenden. Erst mit der Zeit habe ich das Plotten ausprobiert und mittlerweile als festen Bestandteil meines kreativen Prozesses aufgenommen. Im ersten Entwurf arbeite ich zwar nur mit groben Plotpoints und entdecke die Geschichte größtenteils immer noch beim Schreiben, aber spätestens ab dem zweiten Entwurf (in meinem Fall nicht selten ein kompletter Rewrite) arbeite ich mit einem detaillierten Plot, um das Beste aus der Geschichte zu holen.

Bock, es auszuprobieren?

Falls du Lust bekommen hast, dich einmal am Plotten zu versuchen und deine Idee bereits in den Ansatz eines Plots verwandelt hast gehen wir jetzt ans Eingemachte.

Je nachdem, wie detailliert du deine Geschichte plotten möchtest, kannst du dich zuerst einmal nur auf die Haupthandlung konzentrieren. Wenn du merkst, dass dir das nicht genügt und ein Teil deiner Geschichte mehr Platz benötigt, kannst du außerdem Subplots ausarbeiten. Im Anschluss kannst du beim Planen einzelner Kapitel oder sogar Szenen ganz tief ins Detail gehen. Ob du deine Handlung chronologisch oder in der Reihenfolge, wie sie dir gerade einfällt, aufschreibst, spielt keine große Rolle, solange am Ende alles in sich stimmig ist und du weißt, wo Anfang, Ende und Mittelteil liegen.

Und wie genau plottest du jetzt?

Da liegt ein bisschen der Hund begraben, denn es gibt unzählige verschiedene Plot-Methoden und es erfordert wahrscheinlich ein bisschen Herumexperimentieren, bis du die Methode findest, die am besten funktioniert. Zu den bekannteren Methoden wie der Drei- oder Sieben-Akte-Struktur oder der Schneeflocken-Methode finden sich unendlich viele Artikel online und in Ratgebern. Ich bin einfach mal so frei und stelle dir an dieser Stelle die Methode vor, mit der ich plotte. Das Grundgerüst bildet dabei eine Fünf-Akte-Struktur, zu der ich dir einmal eine kleine Grafik gebastelt habe.

Die Handlung beginnt mit der Exposition oder Prämisse. Hier stellst du die Protagonisten vor und zeigst, wie ihr Alltag aussieht. Es ist wichtig, dass auf diesen ersten Seiten bereits Genre und Stimmung deiner Geschichte erkennbar sind und dein Leser eine Verbindung zum Hauptcharakter aufbauen kann – sei es nun durch Sympathie, Mitleid oder pure Antipathie. Außerdem solltest du auf diesen Seiten den Konflikt andeuten, um den sich die Geschichte später drehen wird. Das kannst du beispielsweise tun, indem du zeigst, was den Protagonisten in ihrer jetzigen Situation fehlt oder Probleme bereitet. Sehnen sie sich nach Liebe oder Abenteuer? Sind sie unzufrieden mit ihrem Job oder ihrer Familie? Fürchten sie sich vor etwas?

Die Antworten auf diese Fragen führen dich dann direkt zum ersten Wendepunkt. An dieser Stelle spitzt sich der Konflikt so zu, dass das Leben deines Protagonisten komplett durcheinander gewirbelt wird. Die weitere Handlung kommt an dieser Stelle ins Rollen und dein Protagonist wird gezwungen, zu handeln.

In der steigenden Handlung nimmt die Geschichte dann an Fahrt auf. Dein Protagonist muss immer wieder Hindernisse überwinden und sollte an dieser Stelle aktiv darum kämpfen, sein Ziel zu erreichen.

Der Mittelpunkt deiner Geschichte sollte dann eine weitere Wendung beinhalten, die die Richtung des Geschehens ändert. Dein Protagonist erleidet einen Rückschlag – beispielsweise durch einen Streit, einen Unfall oder den plötzlichen Tod einer Person, die ihm nahesteht. Dieser Rückschlag baut neue Spannung auf, denn er stellt infrage, ob dein Protagonist seine Ziele wirklich erreichen wird. Ideal wäre es, wenn dein Protagonist aus diesem Rückschlag später neue Kraft ziehen kann und gestärkt aus dieser Situation hervorgeht.

Bis zum zweiten Wendepunkt steigt die Handlung dann noch einmal und die Spannung erreicht den Höhepunkt. Dein Protagonist muss jetzt alles geben. Besonders aktiv kannst du diesen Teil gestalten, indem du ihn in Zeitnot geraten lässt oder den Einsatz erhöhst – ihm also mehr zu verlieren gibst, falls er sein Ziel nicht erreicht.

Am Höhepunkt begegnet dein Protagonist schließlich seinem Widersacher. An dieser Stelle entscheidet sich, ob er sein Ziel erreicht oder scheitert. Spätestens hier sollte für den Leser eine klare Veränderung im Charakter deines Protagonisten im Vergleich zur Exposition erkennbar sein. Hat dein Protagonist sich seiner Angst vom Beginn gestellt oder sie sogar überwunden? Hat er einen bestehenden Konflikt gelöst? Hat er etwas Wichtiges über sich selbst oder andere gelernt?

Nach dem Höhepunkt führst du alle Fäden zu einem Ende zusammen. Je nachdem, ob deine Geschichte ein Einzelband oder Teil einer Reihe ist, kannst du Fragen oder Subplots für Fortsetzungen offen lassen oder aber alles klären und vielleicht einen kleinen Ausblick auf die Zukunft deines Protagonisten geben. Du kannst zeigen, was sich seit dem Anfang der Geschichte verändert hat oder auch, was gleichgeblieben ist.

Damit hast du deinen Plot auch schon zusammen. Natürlich wird es ein bisschen Zeit (und wahrscheinlich auch Nerven) erfordern, bis alle Teile deiner Geschichte tatsächlich so smooth zusammenpassen, aber irgendwann wirst du den fertigen Plan in der Hand halten und dann kannst du, ganz ohne viel nachdenken zu müssen, deine Geschichte erzählen. Noch ein Wort zum Abschluss: Ein Plot ist kein starres Konzept und es kann durchaus passieren, dass du beim Schreiben merkst, dass irgendetwas doch nicht so passt, wie du es dir gedacht hattest. Manchmal haben Charaktere einen eigenen Kopf oder Szenen, die dir beim Plotten noch toll erschienen, fühlen sich beim Schreiben falsch an. Scheu dich in diesem Fall nicht davor, deinen Plot anzupassen oder abzuändern. Nichts ist in Stein gemeißelt und es ist völlig okay, wenn deine Geschichte erst beim Schreiben entsteht.

Wie sieht es bei dir aus? Bist du eher Plotter oder Pantser? Und welche Plotmethoden hast du schon einmal probiert?

Lass es mich gern in den Kommentaren wissen.

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