Schreiben

Q für Qualität

Schließ deine Augen und stell dir deinen Text vor. Als gedrucktes Buch, als Gedichtband oder vielleicht als Stapel handschriftlicher Seiten in den Händen eines Lieblingsmenschen. Dieser Lieblingsmensch – oder vielleicht auch ein völlig Fremder – hat gerade deine Worte gelesen und ist in deine Welt eingetaucht. Vielleicht stehen ihm Tränen in den Augenwinkeln, vielleicht heben sich seine Mundwinkel zu einem Lächeln. Du siehst ihn an und in diesem Moment weißt du: Was du da geschrieben hast, ist verdammt gut. Ein tolles Gefühl, oder?
Doch was braucht ein Text eigentlich, um wirklich gut zu sein? Um zu berühren, um mitzureißen oder zum Nachdenken anzuregen? Im Folgenden weihe ich dich in die fünf Geheimnisse eines richtig guten Texts ein – mal sehen, wie viele dir davon bekannt vorkommen.

1. Was du erzählst

Na klar, eine gute Geschichte ist das Herzstück eines jeden Textes. Gleich zu Anfang wird eine Frage aufgeworfen, deren Antwort den Leser zum Umblättern bringt. Bekommt die Prinzessin ihren Prinzen? Kann Frodo den Ring rechtzeitig vernichten? Wird die Polizei es schaffen, den Killer zu schnappen? Mit dieser zentralen Frage eröffnest du den Konflikt deiner Geschichte und gibst deinen Protagonisten ein Ziel und einen Grund, dieses erreichen zu wollen. Über die folgenden Seiten kannst du den Konflikt dann noch vertiefen, beispielsweise indem du viele kleinere Konflikte einbaust oder aber die Hürden für deine Protagonisten erhöhst. Deine anfängliche Frage und der Konflikt bilden sozusagen die Wurzel, aus der du später Spannung aufbauen und bis zum Höhepunkt treiben kannst. Aber nicht vergessen – am Ende deines Textes sollte der Leser immer eine Antwort erhalten – zumindest in Teilen. Außerdem ist es wichtig, dass der Weg, den deine Protagonisten bis dahin beschreiten, zumindest ein gewisses Maß an Originalität aufweist. Natürlich muss nicht jede Geschichte das Rad neu erfinden und es ist vollkommen okay, altbekannte Motive und Tropes zu verwenden. Aber eine richtig gute Geschichte beinhaltet immer auch etwas Neues, so noch nicht Dagewesenes. Vergiss also nicht, der Geschichte deinen ganz eigenen, kreativen Anstrich zu verpassen.

2. Wie du erzählst

„Es spielt keine Rolle, ob die Geschichte schon existiert. Keiner kann sie so erzählen wie du.” Den Spruch hast du sicherlich in irgendeiner Form schon einmal gehört und obwohl er fast wie ein Klischee anmutet, steckt ein Körnchen Wahrheit darin. Denn jeder von uns hat einen ganz besonderen, einzigartigen Blick auf die Welt und selbst, wenn man fünf Leuten dieselbe Idee gäbe, würden am Ende fünf ganz unterschiedliche Geschichten entstehen. Die Art, wie du schreibst, worauf du Wert legst und welche Gefühle du vermittelst, ist etwas, das eine beliebige Geschichte zu deiner macht. Dein Schreibstil und deine Wortwahl sind ausschlaggebend dafür, welche Geschichte du am Ende erzählst und wen du damit erreichst. Deine Worte müssen deine Leser fesseln und mitreißen – du musst mit ihnen malen können wie andere mit Farben auf einer Leinwand. Das gelingt dir zum Beispiel, indem du dynamische Verben benutzt oder die Sinneseindrücke deiner Protagonisten wiedergibst. Je mehr du schreibst, desto natürlicher wirst du dabei in einen ganz eigenen Stil verfallen, der dich und deine Geschichte später von all den anderen Geschichten und Autoren da draußen abhebt.

3. Wen du erzählen lässt

Welche Charaktere bietet deine Geschichte? Hast du dich schon einmal gefragt, wie es wäre, wenn statt des Protagonisten plötzlich dein Antagonist zu Wort käme? Die Perspektive, aus der du erzählst, kann deine Geschichte komplett verändern. Jeder deiner Protagonisten und Antagonisten sollte einzigartig und komplex sein, um deine Leser zu faszinieren. Zeige nicht nur ihre Stärke und ihren Mut, sondern auch ihre Schwächen, ihre schlechten Angewohnheiten und ihre Ängste. Gib deinem Leser Einblick in ihre Vergangenheit und ermögliche es ihm, sich in die Charaktere hineinzuversetzen oder sich vielleicht sogar mit ihnen zu identifizieren. Je nachdem, wie viel Nähe oder Distanz zu den Charakteren dein Leser halten soll, kannst du auch die Perspektive wählen. Lässt du einen Ich-Erzähler zu Wort kommen oder berichtest du als Er-Erzähler, nimmst du eine personale Perspektive ein oder bleibst du als Erzähler außerhalb der Köpfe deiner Charaktere? Wechselst du von Kapitel zu Kapitel die Perspektive oder verfolgst du die Entwicklung eines einzigen Protagonisten? Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, eine Geschichte zu erzählen und jede von ihnen hat andere Vor- und Nachteile. Wichtig ist, dass du dich mit deiner Wahl wohlfühlst und sie zu dem passt, was du ausdrücken willst. Denn darum geht es in den nächsten beiden Punkten.

4. Welche Gefühle du weckst

Es erklärt sich von selbst, dass es einen Unterschied macht, wann und wo deine Geschichte angesiedelt ist. Spielt sie im New York der 20er-Jahre oder in Berlin im Jahre 3000? Scheint die Sonne oder regnet es ohne Unterhalt? Wie sieht die Welt aus? Welche Gebäude, welche Kleidung oder welche Technologie sieht man auf den Straßen? Sind die Menschen zufrieden oder herrscht Not oder sogar Krieg? Woran glauben die Menschen, worauf hoffen sie, wofür kämpfen sie? All diese Fragen solltest du beantworten können, wenn du eine umfassende Atmosphäre in deiner Geschichte kreieren willst. Je nachdem, wie realistisch oder fantastisch deine Geschichte ist, erfordert das natürlich ein gewisses Maß an Worldbuilding. Außerdem spielen die Empfindungen, Stimmungen und Eindrücke deiner Protagonisten eine wesentliche Rolle. Im Idealfall kann dein Leser die Atmosphäre in deiner Welt durch die Sinne deiner Protagonisten erspüren und an deren Seite tief in die Geschichte eintauchen.

5. Welche Nachricht du vermittelst

Wenn du alles, was bis hierhin gesagt wurde, berücksichtigt hast, hast du an dieser Stelle die volle Aufmerksamkeit deines Lesers. Er ist in die Geschichte vertieft, teilt die Gefühle und Gedanken deiner Charaktere und fiebert darauf hin, eine Antwort auf die zentrale Frage zu erhalten. Dies ist der Moment, in dem du deinem Text Bedeutung verleihst. Indem du deiner Geschichte ein Thema und eine Message gibst, kannst du mit deinen Worten wirklich etwas erreichen. Was möchtest du den Menschen, die deine Geschichte lesen, mit auf ihren Weg geben? Möchtest du ihnen Hoffnung, Glauben oder Trost spenden? Möchtest du ihnen ein Lächeln auf die Lippen zaubern oder an sie appellieren? Wenn du jetzt erst einmal überfordert bist, weil du dir darüber noch gar keine Gedanken gemacht hast, dann denk einmal an deine eigenen Lieblingsgeschichten. Welches ist das erste Gefühl, das dir in den Sinn kommt, wenn du an dein Lieblingsbuch denkst? Was hast du gedacht und empfunden, als du es zum ersten Mal gelesen hast? Im Idealfall hat das Thema und die Message der Geschichte dich so berührt, dass du auch Monate oder Jahre später noch darüber nachdenkst. Vielleicht hat sie sogar dazu geführt, dass sich in dir etwas verändert hat – ob es nun dein Denken, dein Handeln oder deine Einstellung zu einem Thema waren.

Du siehst, ein guter Text ist viel mehr als nur eine Sammlung von Worten. Er berührt, fesselt und bleibt seinem Leser auch lange nach den letzten Silben noch im Gedächtnis.

Wie sieht es bei dir aus? Worauf legst du bei Erzählungen besonderen Wert? Was braucht ein Text, um dich mitzureißen?

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