Schreiben

R für Romance

Diesen Monat dreht sich schreibtechnisch bei mir vieles um Romantik. Es ist nichts Neues, dass sich in meine Projekte immer wieder romantische Subplots einschleichen. In meinem neusten Projekt ist aus dem Subplot allerdings nun ein Hauptplot geworden, was ich zum Anlass genommen habe, einmal ausgiebig über Gefühle, Romantik und deren Darstellung in der Literatur zu recherchieren. Meine Erkenntnisse möchte ich nun in diesem Beitrag mit dir teilen.

Beginnen wir mit einer ganz zentralen Frage: Was ist Romantik eigentlich? Woraus setzt sie sich zusammen und ab wann kann man von Liebe sprechen?

Der Psychologe Robert J. Sternberg hat eine sogenannte „Dreieckstheorie” entwickelt, laut derer Liebe sich aus drei verschiedenen Komponenten zusammensetzt. Zum einen Intimität, die unter anderem auch Vertrauen, Empathie und Kommunikation einschließt. Weiterhin die Leidenschaft mit Energie, Attraktion und Begeisterung. Die dritte Komponente bildet schließlich die Verbindlichkeit, also die Entscheidung der Partner, eine Beziehung einzugehen und sie über eine lange oder sogar unbegrenzte Zeit einzuhalten. Nur, wenn jede dieser drei Komponenten in einer Beziehung vorhanden ist, kann nach Sternberg von Liebe gesprochen werden. Fehlen eine oder zwei der Komponenten, so ist die bestehende Beziehung nicht als Liebe, sondern als Gernhaben, Vernarrtheit, leere Liebe, romantische Liebe, kameradschaftliche Liebe oder verblendete Liebe einzuordnen.

Aber was passiert eigentlich, wenn man sich verliebt? Und wann wird Verliebtsein zu Liebe?

Fakt ist, jeder von uns verliebt sich anders. Genau wie wir sind auch unsere Beziehungen nicht statisch, sondern hängen von den Menschen ab, die sie eingehen. Dennoch gibt es ein paar generelle Unterschiede in der Art und Weise, wie Männer und Frauen sich verlieben. Männer beispielsweise verlieben sich aus evolutionären Gründen schneller als Frauen und sind in Verbindung damit auch nicht selten die Ersten, die „Ich liebe dich” sagen. Währenddessen lassen sich Frauen bei der Partnerwahl mehr Zeit und legen weniger Wert auf Äußerlichkeiten. Ebenfalls ein ungeschriebenes Gesetz ist es, dass die so oft beschriebene und besungene „Liebe auf den ersten Blick” in der Realität nicht existiert. Was es gibt, ist „Attraktion auf den ersten Blick” und daraus kann bei näherem Kennenlernen durchaus Verliebtheit und schließlich Liebe entstehen. Aber ab welchem Punkt wird aus Verliebtsein überhaupt Liebe? Dazu greife ich noch einmal auf die Dreieckstheorie von Sternberg zurück. Liebe entwickelt sich oft aus einer der anderen Formen, die nur zwei Komponenten des Dreiecks beinhalten, beispielsweise aus der romantischen Liebe, bei der Intimität und Leidenschaft bereits vorhanden sind. Kommt zu diesen beiden Komponenten nun die fehlende dritte – in diesem Fall die Verbindlichkeit – ist aus dem Verliebtsein Liebe geworden. Und entgegen der weitverbreiteten Meinung ist dieses Gefühl keine Herzens- sondern Kopfsache.

Doch wie kannst du Liebe nun möglichst realistisch in deiner Geschichte widerspiegeln? Dafür habe ich dir einige Dos und Dont’s zusammengestellt.

Eine (gesunde) romantische Beziehung sollte im Idealfall diese zehn Punkte beinhalten:

  • Respekt – beide Partner sollten sich auf Augenhöhe begegnen können. Natürlich ist das nicht in jeder Situation möglich, aber ein permanentes Machtgefälle zwischen den Partnern kann auf Dauer zu einem toxischen Einfluss für die Beziehung werden.
  • Konsens – eigentlich selbstverständlich, aber in vielen Liebesromanen wird darauf immer noch nicht genügend Wert gelegt. Ob es nur um eine Berührung, einen Kuss oder vielleicht sogar Sex geht, das Einverständnis beider Partner ist extrem wichtig. Außerdem kann eine kurze Frage wie „Darf ich dich küssen?“ Oder „Willst du …“ eine Szene so viel süßer oder sexier machen.
  • Individualität & Partnerschaft – ich bin selbst ein großer Fan von sogenannten Powercouples, also Paaren, bei denen beide Partner allein bereits starke Persönlichkeiten sind, sich aber dann im Zusammenspiel noch ergänzen und durch den anderen wachsen und besser werden. Leider findet man solche Paare in der Literatur immer noch viel zu selten.
  • Gemeinsame Interessen – genau so wichtig wie eine individuelle Persönlichkeit der Partner sind die geteilten Interessen in einer Beziehung. Abgesehen von Dates oder aufregenden Abenteuern sollte es auch im Alltag Dinge geben, die die beiden Partner verbinden. Schauen sie gern schlechte Filme oder teilen sie eine Leidenschaft fürs Kochen? Was immer es für deine Charaktere sein mag, du solltest sicherstellen, dass ihre Verbindung auf mehr als dem Aussehen oder Besitz basiert.
  • Freundschaft – hier gilt es, herauszufinden, ob deine beiden Charaktere auch ohne Romanze als Freunde existieren können? In Zusammenhang mit gemeinsamen Interessen und Respekt ist Freundschaft eine wichtige Grundlage für eine gesunde Beziehung. Deshalb sind meist Freundschaft-zu-Liebe-Plots auch wesentlich glaubwürdiger als Beziehungen, in denen sich die Partner vorher kaum kennen oder sogar hassen.
  • Umfeld – dieser Punkt wird in Liebesromanen meiner Meinung nach oft etwas vernachlässigt. Das Leben außerhalb der Beziehung verschwindet dann, Freunde oder Familie werden vernachlässigt oder tauchen nur noch am Rand auf, obwohl gerade die Interaktion des Umfelds mit den Partnern viel Konfliktpotential bietet und eine wichtige Einflussgröße für die Beziehung ist.
  • Dynamik & Veränderung – keine Beziehung ist statisch und je besser sich die Charaktere kennenlernen, desto tiefer wird ihre Verbindung und desto klarer zeigen sich auch eventuelle Konflikte und Probleme. Zudem sollten sich in der Geschichte ja auch beide Charaktere individuell weiterentwickeln, was wiederum die Beziehung beeinflussen wird.
  • Kleine Gesten & Berührungen – klar, das dramatische Liebesgeständnis ist toll und bei den supersüßen Dates kannst du deiner Fantasie freien Lauf lassen, aber was eine Beziehung wirklich authentisch wirken lässt, ist der alltägliche Umgang miteinander. Das kann das beiläufige Streifen der Hände sein oder eine Haarsträhne, die hinters Ohr geschoben wird – die kleinen Dinge drücken in diesem Fall manchmal größere Zuneigung aus als die großen Gesten.
  • Intimität – dieser Punkt betrifft viel mehr als den Sex. Intimität hat etwas mit gegenseitigem Vertrauen und dem Gefühl von Sicherheit zu tun, damit, dass man Wünsche und Bedürfnisse teilen kann. Wenn du zwischen deinen Charakteren also wirklich Intimität darstellen willst, genügt eine Sex-Szene nicht zwingend.
  • Kommunikation – der letzte Punkt ist gleichzeitig auch einer der wichtigsten. Wenn deine Charaktere nicht miteinander sprechen können, wenn sie Meinungsverschiedenheiten nicht ausdiskutieren oder allgemein kaum ein richtiges Gespräch führen, dann fehlt die Grundlage für eine gute Beziehung.

Jetzt weißt du schon, was die Beziehung zwischen deinen Charakteren braucht, um ein authentisches Gefühl von Liebe zu vermitteln. Zudem gibt es einige Dont’s, die du vermeiden solltest, um eine Romanze zu kreieren, die deine Leser gern verfolgen:

  • Ein wirklich offensichtliches No-Go ist Missbrauch – egal, ob physisch oder verbal, den Partner zu verletzen ist etwas, das in keiner Beziehung vorkommen sollte. Klar, dürfen deine Charaktere im Streit mal Dinge sagen, die sie nicht so meinen, aber wenn die Beziehung nicht auf Augenhöhe und ohne Konsens stattfindet, solltest du sie noch einmal hinterfragen.
  • Liebe auf den ersten Blick – kein direktes No-Go, aber ein wirklich unrealistisches Szenario. Wie oben bereits gesagt, gibt es „Anziehung auf den ersten Blick“, aber damit daraus Liebe wird, ist vor allem Zeit vonnöten.
  • Klischees – auch das ist kein No-Go, aber deine Leser werden es sicherlich zu schätzen wissen, wenn du bei deiner Lovestory nicht die ausgetretenen Pfade benutzt. Ich habe vor einer Weile schon einen Beitrag zum Umgang mit Klischees und Tropes verfasst, deshalb halte ich es an dieser Stelle kurz: vieles ist Geschmackssache und fast jedem Trope kann durch einen kreativen Twist neues Leben eingehaucht werden, also versuche gern, mal etwas um die Ecke zu denken.

Zum Schluss bleibt also nur noch eine Frage: Warum der ganze Mist – oder: Was kann (gut gemachte) Romance für deine Geschichte tun?

Zuerst einmal bietet Romance im Allgemeinen immer das Potential für Konflikt, zum Beispiel als „verbotene Liebe” oder „Liebe mit Hindernissen”. Und je mehr Konflikt deine Geschichte hat, desto einfacher gelingt es dir, Spannung zu erzeugen. Weiterhin kannst du mit einer gut gemachten Lovestory deine Leser emotional an die Charaktere binden. Du kannst dafür sorgen, dass sie dein Paar shippen und so eine noch tiefere Verbindung zu deiner Geschichte bekommen. Der für mich aber wichtigste Punkt, der deine Geschichte von den vielen anderen Romance-Storys abheben wird, ist der, dass du ein realistisches Bild an deine Leser vermittelst. Du zeigst ihnen, wie Liebe im wahren Leben aussehen sollte, wie eine gesunde Beziehung funktioniert und regst sie dazu an, das vielleicht auch für sich selbst zu suchen. Und das ist doch ein schöner Gedanke, oder?

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